Hallo zusammen,
ich starte mal einen Versuch die Sache mit den Wandler-Getrieben zu erklären, möchte aber dazu sagen, das ich keinen Schlepper mit so einem Getriebe besitze. Falls etwas unrichtiges dabei sein sollte, bitte ich die Spezialisten unter Euch dies zu berichtigen!!!
Noch vorweg: Es gab Wandlergetriebe natürlich auch bei den kleinen 323-423 und schon vorher bei der D-Serie (siehe
hier ). Dieses nannte sich Agriomatic
(ohne S).
Das Agriomatic ohne S besteht bei den 323-423 aus einem 4+1 Gang Grundgetriebe. Zusätzlich ist eine Gruppenschaltung Acker/Straße vorhanden, wodurch die Gänge verdoppelt werden. Zusätzlich ist ein Planetengetriebe vorhanden, welches bei Bedarf durch einen Hebel am Armaturenbrett hydraulisch durch eine Lamellenkupplung umgeschaltet wird. Dadurch kann jeder Gang, auch die Rückwärtsgänge unter Last um ca. 37% untersetzt werden. Man kann diese Untersetzung eigentlich als eine Lastschaltstufe sehen. Ergebnis ist hier also ein 16+4 Gang-Getriebe.
Das Agriomatic
-S arbeitet anders. Hier wird zwar ebenfalls durch einen Hebel eine Lamellenkupplung betätigt, diese schaltet aber immer auf die gleiche Übersetzungsstufe, den sog. "Agriomatic-S-Bereich" um. Je nachdem welche Gruppe vorgewählt wurde, ergeben sich dadurch bei Betätigung des Hebels folgende Einsatzmöglichkeiten:
1. Rückwärtsgruppe vorgewählt: Umschaltung zwischen Vorwärts- (Agriomatic-S-Übersetzung) und Rückwärtsfahrt
2. Ackergruppe vorgewählt: Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit (Agriomatic-S-Übersetzung großer als Ackergänge)
3. Straßengruppe vorgewählt: Verringerung der Fahrgeschwindigkeit (Agriomatic-S-Übersetzung kleiner als Straßengänge)
4. Wird bei geschaltetem Agriomatic-S-Bereich von der Acker- in die Straßengruppe geschaltet (Agriomatichebel ist nach vorne gerichtet) , so hat man praktisch keine Drehzahldifferenz beim Gangwechsel und kann durch zurückziehen des Hebels wieder weiterbeschleunigen. Der Geschwindigkeits- bzw. Leistungsverlust beim Schalten ist minimal.
Das Getriebe besteht hier aus einem 4 Gang-Grundgetriebe. Die Gruppenschaltung hat die Gruppen Acker/Straße/Rückwärts wodurch man ein 8+4 Getriebe erhält. Zusätzlich kann der Agriomatic-S-Bereich geschaltet werden, man erhält also ein 12+4 Getriebe.
Die Turbomatik bei Fendt bezeichnet eigentlich nur die Strömungskupplung (oder auch als Hydraulikkupplung bezeichnet), die vor der eigentlichen Fahrkupplung sitzt. Diese besteht aus zwei Schaufelrädern, dem Pumpen- und dem Turbinenrad, die sich im Ölbad befinden. Das Pumpenrad liegt motorseitig und dreht sich, sowie der Motor dreht. Das Turbinenrad ist an die Fahrkupplung gekoppelt. Durch die beim Starten des Motors entstehende Zentrifugalkraft wird das Öl in die Schaufeln des Turbinenrad geschleudert, wobei die niedrige Drehzahl noch nicht ausreicht um das Turbinenrad wirklich anzutreiben. Wird die Drehzahl nun erhöht, so setzt sich nun das Turbinenrad in Bewegung, wodurch sich bei eingerückter Fahrkupplung und eingelegtem Gang nun der Schlepper ruckfrei bewegt. Wird die Drehzahl nun wieder verringert, so bleibt der Schlepper wieder stehen, dies funktioniert sogar am Berg/Gefälle!
Weiterhin gibt es bei Fendt noch die sog. Turbomatik
-E. Diese ergänzt die hydraulische Kupplung durch ein zusätzliches Leitrad zwischen Turbinen- und Pumpenrad zu einem Drehmomentwandler. Das Leitrad lenkt hierbei den vom Pumpenrad ankommenden Ölstrom um, so das er mit einer anderen Geschwindigkeit auf die Schaufeln des Turbinenrades trifft, wodurch das Drehmoment erhöht wird. Zusätzlich ist eine Wandlerüberbrückungskupplung vorhanden, die bei hohen Motordrehzahlen und niedriger geforderter Leistung den Wandler überbrückt und so den Wirkungsgrad erhöht, da nun Motor und Getriebe mechanisch miteinander verbunden sind. Bei erhöhtem Kraftbedarf öffnet die Kupplung wieder, um dem Wandler die Anpassung der optimalen Motordrehzahl zu überlassen, da bei bestehender direkter Verbindung der Motor schnell abgewürgt werden würde.
Fazit: Vergleichen lassen sich die Konzepte nicht wirklich, bei IHC bezieht sich der Begriff Wandler auf das
Ändern der Übersetzungsstufen im Getriebe, bei Fendt auf das
Ändern des Drehmoments vor dem Getriebe. Gemeinsamer Vorteil aller Konzepte ist allerdings, das der Schlepper bei weiterhin laufender Zapfwelle seine Fahrgeschwindigkeit ändern oder auch mal stehen bleiben kann.
Ich hoffe mal das hilft Euch etwas weiter. Wie gesagt, ich lasse mich gerne eines besseren belehren, falls meine Infos aus diversen Webseiten, Prospekten und Fachbücher falsch sind oder von mir falsch interpretiert wurden!
MfG
Mario