Motorproblem beim IHC 323

Alexander2020

Aktives Mitglied
Registr.
27 August 2017
Beiträge
28
Ort
64646 Heppenheim
Hallo Leute,

nach reichlich Diskussion in der Facebook-Gruppe wollte ich hier das Thema neu eröffnen, da es auf Facebook schnell zu unübersichtlich wird.

Aktuelle Lage: 

Letzten Samstag wollte ich meinen Schlepper mal richtig warm fahren und bin mit ihm richtung Schloss den Berg rauf. Dabei klopfte es auf halber Strecke plötzlich ein paar mal laut, und er ging aus. Starten ließ er sich sofort wieder, aber auf dem Boden waren ein paar Tropfen Kühlwasser, ebenso auf dem Lenkhebel unter dem Motor. Ich habe die Haube abgenommen, aber es war kein Leck zu sehen, es tropfte auch nichts mehr, und im Kühler  war noch genug Wasser. Deshab bin ich wieder nach Hause. Zwischendurch bin ich mal kurz umgedreht und den Berg ein Stück wieder hoch, da zog er so wie immer, deshalb dachte ich, da wäre nichts. Hab dann mal den Ölpeilstab raus gezogen, da spuckte der da Öl raus. 

In der Facebook-Gruppe wurde vermutet, es hätte sich eine Vorkammer gedreht, oder es wären die Kolbenringe gebrochen. 

Ich habe dann die Kompression mal kalt gemessen:

Zylinder 1 (von vorne): 17 Bar

Zylinder 2: 18 Bar

Zylinder 3: 21 Bar

Heute habe ich ihn nochmal gestartet, dabei sprang er nach 50 Sekunden glühen erst auf dem einen Zylinder an, dann auf den anderen. Zumindest hatte ich so das Gefühl. Anschließend habe ich ihn warm laufen lassen, und die Kompression erneut gemessen:

Zylinder 1: 19 Bar

Zylinder 2: 19 Bar

Zylinder 3: 24 Bar

Beim Laufen war eine kleine Rauchfahne aus der Entlüftung zu sehen, wenn ich mit der Taschenlampe drauf geleuchtet habe.

Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Soll ich den Kopf runter machen und gucken was zu sehen ist? Mich verunsichert der große Unterschied zwischen den Zylindern. Ich würde den ja trotzdem noch weiter benutzen, hab aber Angst, da geht noch mehr kaputt.

Vielen Dank schonmal und viele Grüße,

Alexander

Edit: 21 statt 31 Bar :D
 
Hallo Alexander,

Ein Überdruck aus der Kurbelgehäuseentlüftung oder aus dem Ölpeilstab ist schon mal schlecht. Das heißt ja, dass die Kompression eines oder mehrerer Zylinder aufgrund von schadhaften Kolbenringen durch das Kurbelgehäuse entweicht. Zusammen mit deinen gemessenen Kompressionswerten von 17 Bar, 18 Bar und 31 Bar tippe ich auf verschlissene Kolbenringe an den Zylindern 1 und 2. Bevor du den Motor zerlegst würde ich den Öldruck noch mit einem Manometer überprüfen. Auch wenn die Kontrollleuchte vom Öldruckschalter funktioniert, eine manuelle Prüfung mit dem Manometer sollte noch vorher durchgeführt werden. Bitte den Druckverlauf (Zeit bis zum Druck nach dem Start, Druckanstieg beim Erhöhen der Drehzahl) hier dokumentieren. 

Auf dem Wege würde ich die Zylinderkopdichtung auch austauschen (Wenn du mir per Direktnachricht deine Seriennummer vom Schlepper sendest, kann ich dir die Artikelnummer der Dichtung raussuchen). Das wird meiner Ansicht nach auch die Ursache für deinen minimalen Kühlwasserverlust sein. Wenn am Zylinderkopf erkennbare Kratzer bzw. Macken sind, würde ich den vom Fachmann planen lassen. 

Bei weiteren Fragen einfach anschreiben oder hier kommentieren. :)

LG

Simon
 
Hi,

Danke das mit dem Öldruck werde ich machen, dazu muss ich mir nur noch einen Manometer besorgen :) wenn ich den Kopf runter mache, wollte ich den eh zum Planen bringen. Und wenn ich die Laufbuchsen und Kolben tausche, dann wahrscheinlich auch gleich die Ventile und Ventilsitze 
 
Soo, ich habe endlich Zeit gefunden, den Öldruck zu messen. Ich hab es aber nicht über einen Manometer gemacht, sondern über einen Drucksensor, der je nach Druck eine Spannung von 0,5 bis 4,5 Volt aus gibt. Aufgezeichnet hab ich das über einen Arduino mit Datenlogger. Habe die Spannung dann in Excel in Bar umgerechnet, hoffentlich habe ich mich da nirgendwo verrechnet. Unten die x-Achse im Graph ist die Zeit seit Messbeginn (bzw. seit der Arduino Strom hat). Er hat alle halbe Sekunde den Wert aufgezeichnet.

Ich habe den Traktor dabei etwa 10 Minuten laufen lassen, wie man in dem Graphen sieht, sinkt der Öldruck im Schnitt über die Zeit, dadas Öl dünnflüssiger wurde bei steigender Temperatur (nehme ich mal an). Da wo der Öldruck auf 0 zurück fällt, habe ich den Schlepper kurz aus gemacht. Richtig warm wurde er in der Zeit übrigens nicht.

Der Traktor sprang nach 50 Sekunden Glühen übrigens direkt an.

34245595zu.webp

Man sieht auch ganz gut, wo ich zwischendurch mal Gas gegeben habe, obwohl der Druckunterschied da nicht so stark ist wie ich dachte.

Hier nochmal der Kaltstart im Detail:

34245647dj.webp

 

Viele Grüße
 
Kurzes Update :

Ich hatte heute einige Freunde zu Besuch, und wir wollten den Vorderachsblock ab montieren, leider hat sich eine Schraube so extrem gewehrt, das wir irgendwann aufgegeben haben. Wir kamen da einfach schlecht dran, demnächst versuche ich es noch mal. 
 
So Vorderachsblock ist zwar noch dran, dafür der Zylinderkopf unten, auch wenn das alles andere als einfach war...

Die Vorkammern sind scheinbar unschuldig, sie sind zumindest noch an ihrem Platz, und die Kolben haben auch keine Beschädigungen (zumindest oben nicht). Der Kopf kommt demnächst zum Instandsetzer, da werde ich ihn planen lassen, und ich denke, Ventile werde ich auch auswechseln lassen. 

34330578mr.webp

34330586en.webp

34330599ze.webp

34330611qj.webp

Was ich ganz interessant finde ist, dass man hier im Forum extrem häufig von Stegrissen zwischen den Laufbuchsen liest, aber mein Block keine hat, zumindest habe ich noch keine gesehen. 
 
... du hast jetzt zwar den Kopf ab, aber du musst doch mal die Kolben rausmachen, um zu sehen was mit ihren Ringen ist....  ??
 
Soo, heute haben wir die Kolben gezogen, der vorderste sieht nicht mehr so gut aus, der mittlere sieht richtig schlecht aus, da hat sich wohl der Ölabstreifring mit dem Kolben verschweißt :D Oben fehlt auch ein Stück am Kolben, sieht man aber nicht richtig auf dem Bild. In der Laufbuchse klebt das Alu.

34344777gi.webp

34344782ks.webp

34344785mi.webp

Soo, jetzt meine Fragen zum weiter-machen: 

Kann ich die Kurbelwelle im eingebautem Zustand überprüfen, oder sollte ich die ausbauen und zum Instandhalter bringen? Ich habe zwar keine Lust den Block abzubauen, aber wenn ihr meint, das wäre sinnvoll, dann mache ich das. Evtl bringe ich den ganzen Block zum Instandhalter und lasse den da reinigen.

Ölpumpe- Ausbauen und reinigen sinnvoll’? Wenn ja, muss die Feder vom Überdruckventil neu? (steht so zumindest im Whb)

Viele Grüße

Alex
 
Tja, ich würde sagen, wenn die Kolben so aussehen, dann kannst du getrost im nächsten Schritt die Laufbuchsen ziehen.

Für diesen Schritt kann die Kurbelwelle erstmal drin bleiben.

Wenns meiner wär, dann würde ich den Block penibel reinigen von allem Siff und Kühlwassrablagerungen

Viele GRüße, Matthias
 
Matthias-IH353:

Wenns meiner wär, dann würde ich den Block penibel reinigen von allem Siff und Kühlwassrablagerungen
Auch die Kesselsteinablagerungen? Die sind bei mir extrem hart, und mit Salzsäure u.ä. traue ich mich nicht an den Block. Reinigen werde ich ihn natürlich, soweit ich ihn zerlegt habe zumindest. Für eine Komplettreinigung müsste ja auch die Nockenwelle etc raus
 
Es gibt ein Update und ich benötigte nochmal eure Hilfe :(

Ich habe den gesamten Motor zerlegt, Kurbelwelle schleifen lassen,, der Kopf wurde geplant und die Ventile gewechselt, den Block hatte ich beim Landmaschinenmechaniker, der mir die Laufbuchsen gezogen hat, und der hat auch den Block oben mit Schmirgelpapier in einer speziellen Vorrichtung abgezogen. Habe dann alles zusammen gebaut, Buchsenüberstand ist vorhanden (weiß nicht wie ich den messen soll), leider läuft das Kühlwasser über die Nockenwelle in die Ölwanne :( hat jemand von euch einen Rat, was ich jetzt machen kann? Vor der Instandsetzung war er jedenfalls dicht..

Viele Grüße, 

Alexander 
 
Hallo

Das ist ein Klassiker bei diesen Motoren, der hat bestimmt Auswaschungen im Block so das die Zylinderkopfdichtung nicht mehr dichtet. Man kann versuchen auf die einfache Tour eine neue Kopfdichtung mit Silikondichtmasse einzusetzen, dabei muss alles mit Bremsenreiniger fettfrei sein. Es ist durchaus möglich das es Jahre hält. Die elegante Lösung ist natürlich das man den Block Plan schleift und die Kolben und Buchsen dem entsprechend auch.

Der Kopf ist gerade?

MfG

Alwin
 
hi, der Block sieht eigentlich ganz gut aus, ich versuche  demnächst mal ein Bild hochzuladen. Aber offensichtlich ist mein Buchsenüberstand zu hoch, ich habe den grob gemessen (0,3mm), jetzt will ich das durch einen befreundeten Mechaniker nochmal richtig nachmessen lassen.
 
Hallo Alexander, zum Fachgerechten Einbau von Zylinderlaufbuchsen benötigst Du 2 Werkzeuge. 1. Pratzen lt Zeichnung (selbst anfertigen) mit diesen spannst Du die Buchsen mit 3-4 NM vor. 2.Dann mit Meßuhr an den Meßpunkten lt Foto messen 0,008-0,12mm  Buchsenüberstand gem.Foto messen.Nun kannst Du die nächsten Schritte machen.MfG der Paylodoc. Kannst mich auch mal anrufen wenns nötig ist 01603089666eup-1136617030-8d87a953d20289c493565cc8c87df156-1553419575_big.webpeup-1136617030-5d43ae9ab4270146f3b280dac43c1f35-1553419813_big.webp
 
Hallo, vielen Dank! So eine Messuhr habe ich mir heute gekauft, ich werde das mal so messen wie du sagst :)

Zudem wurde mir am Telefon empfohlen, die Sitze der Laufbuchsen mit Ventileinschleifpaste anzuschleifen, bis die wieder grau sind, und das dann so messen.

Ich melde mich demnächst nochmal, wenn ich was neues weiß

Viele Grüße

Alexander
 
ich hab das jetzt mithilfe von passend zugeschnittenen Rohren gemacht, wie es im Werkstatthandbuch steht, und it 39 Nm angezogen, ich hoffe so passt es auch. Ich habe die erste Laufbuchse am Kragen mit etwas Einschleifpaste eingeschmiert, die in ihrem Sitz gedreht, und wieder raus und penibel gereinigt. Das ganze habe ich einige Male wiederholt, nun lässt sie sich leicht drehen und einsetzen (natürlich ohne O-Ring). Gemessen habe ich einen Überstand von etwa 0,18 [mm], aber ich verstehe nicht, wieso. Die alten Laufbuchsen haben exakt den gleichen  Kragen mit den gleichen Abmessungen. Bei jeder Messung kam was anderes raus, da die Messuhr so empfindlich ist, aber ich denke im Schnitt 0,18 [mm] stimmen.

Wie mach ich jetzt weiter? Die Buchsen um 0,08 [mm] abdrehen lassen? 

35390663rb.webp

35390666py.webp

(Messuhr war vorher bei -0,01 [mm])

Bei den anderen Buchsen muss ich das natürlich genauso machen und messen, aber die Mittlere wollte vorhin nicht rein, deswegen probiere ich es am Sonntag nochmal.

Viele Grüße,

Alexander
 
Hallo Leute,

Nachdem mein Traktor nun endlich läuft, stellt sich ein neues Problem in den Raum:

Mein Öldruck fällt schon nach kurzer Warmlaufphase unter 0,5 Bar (geprüft mit Manometer). Ölpumpe wurde überholt, es wurde auch eine Gebrauchte verbaut, kein Erfolg. Kurbelwelle wurde auf das erste Untermaß geschliffen, entsprechende Lagerschalen wurden verbaut. Hab mit Plastikgauge das Spiel überprüft, das der Hauptlager ist i.O., das der Pleuellager war zuerst super schlecht, hab dann nochmal geprüft, jetzt ist es scheinbar i.O.?? Ich verstehe das nicht, saß da die Lagerschale bei  der ersten Messung nicht richtig? Auf jeden Fall steht die Lagerschale auf der einen Seite über, als wäre sie zu groß, aber das Gegenstück wirkt fast zu klein, sodass sich das irgendwie wieder ausgleicht. 

Da aber die Spiele ja scheinbar passen, hat jemand noch eine Idee woran das liegen könnte?

Ich möchte endlich meinen Schlepper wieder benutzen können :(

Viele Grüße

Alexander
 
Kurzes Update, seit März läuft er wieder wie geschmiert :) (zumindest der Motor...)

Das Problem waren die Lagerschalen, die Kurbelwelle war auf ein Untermaß von 0,38mm geschliffen worden (nach Werkstatthandbuch) und die Lagerschalen waren für ein Maß von 0,25 mm gedacht.... 

Nach dem Einbau einer neuen Kurbelwelle mit Originalmaß und den passenden Lagerschalen beträgt der Öldruck in fast jeder Situation 3 Bar.

Viele Grüße,

Alexander

EDIT: Groß- und Kleinschreibung korrigiert, meine Tastatur macht manchmal Probleme..
 
Zurück
Oben Unten