Produktionsanfang des 358er Motors?

Produktionsstart für die meisten "Direkteinspritzer" u.a. den D358 war 1965/‘66

Vom D358 sind in Neuss fast 130.000Stück gebaut worden aber nur ca. 35.000Stück sind auch in Neuss in Traktoren verbaut worden. Beim DT358 sind von über 20.000 gebauten Motoren ca. die Hälfte in Neusser Schlepper verbaut worden. In St. Dizier oder Doncaster sind nach meinem Wissen aber überhaut keine Sechszylinder Schlepper montiert worden. Gerade bei diesem Motortyp wird deutlich das die Neusser Motorenherstellung nicht nur für die eigene Schlepperproduktion gearbeitet hat.

Bevor Neuss einen eigenen "Sechsenderschlepper" produziert hat wurden die Motoren schon an andere IHC Werke (u.a. Heidelberg) geliefert und kamen dort in den verschiedensten Maschinen und Fahrzeugen zum Einsatz (Mädrescher, Baumaschinen, LKW u.a.)

Die ersten sechszylinder Direkteinsritzermotoren waren auch noch gar nicht für den Einsatz als tragendes Element für die typische Blockbauweise beim Schlepper geeignet. Die dafür nötige stabilere Ölwanne wurde erst ab Anfang der siebziger Jahre gebaut.

Aber auch ausserhalb der Neusser Schlepperproduktion waren die D358 und DT358 für andere IHC Traktoren sehr beliebt. Beispielsweise hat man in den IHC Werken in Mexico und besonders in Geelong/Australien Traktoren nach dem Vorbild der Ami IHCs (meistens mit aus den Staaten gelieferten Einzelteilen) gebaut. Diese wurden dann aber mit Neusser Sechszylinder Motoren anstatt der amerikanischen Motorisierung ausgerüstet. Etwas später wurden die dann sogar in dieser Form in den USA angeboten und von da auch weltweit (u.a. auch bis nach Belgien und in die Niederlande) verkauft.

Gruß

Klaus
 
Hallo Klaus,

Vielen Dank für deine Informationen über der D-358er Motor; sehr interessant zu lesen :-)

MfG, Morten
 
Hallo,

auch von mir, vielen Dank für die detailierte Aufklärung!

Unterscheiden sich denn der D-358 u. DD-358 irgendwie?

Gruß
 
Kurze Richtigstellung :

• die ersten D-358 wurden als Prototypen 1965 getestet
• die erste 100-er Serie wurde 1966 montiert
• insgesamt wurden 128.830 Stück montiert
• DD-358 war die erste Bezeichnung Mitte der 1960er, dann kam D-358,
  es ist aber der selbe Motor

Korrektur zu St.Dizier und 6-Zylinder :

• St.Dizier hatte bis Jan.1990 das gleiche Schlepper-Produktionsprogramm wie Neuss
  mit Ausnahme von 1255 und 1455 in allen Varianten.

D.h., dort wurden auch 6-Zylinder-Schlepper gebaut :

• 946 von 1971-1977 / Seriennummernblock D03 0702 F001000
• 1046 von 1971-1977, S/N D03 0805 F001000
• 1246 von 1972-1979, S/N D03 0902 F001000

u.s.w. 955,1055,956,1056 inkl. der XL-Typen

St.Dizier baute bis einschl. 31.01.1990 = 412.901 (Stück) Schlepper.
Der letzte in St.Dizier gebaute Schlepper war ein 1056 XL.

- Dann stieg das französische Schwesterwerk komplett auf Getriebefertigung für den MAXXUM um
  und baute selbst keine eigenen Schlepper mehr.
- Der Rest der Story : zuerst, wie in Neuss die Übernahme durch CASE (Tenneco).
- Dann Verkauf 2000 an (die neue) McCormick-Familie.
- Dann kam  2010 eine chinesische Firma (auch Getriebebau) und übernahm die Reste

Zum Schluss zu Doncaster :

Die Briten habens immer nur bis zum großen 4-Zylinder geschafft.
Dafür haben die innerhalb des IH-Konzerns immer die "Billig"-Schlepper für den Rest der Welt gebaut.
Per Definition "ROW" (rest of the world) innerhalb der IH hieß das, alle Gegenden, wo preiswerte
und robuste Schlepper gebraucht wurden, lieferten überwiegend die Briten die IH-Schlepper.

Stückzahlmäßig weiß keiner so genau, was in Bradford und Doncaster gebaut wurde.
Das sind selbst die britischen Insider unsicher. Schätzungsweise (anhand der Seriennummern)
haben die aber wohl annähernd etwas in Richtung zwischen 800.000 und einer Million Schlepper gebaut,
wenn man die Bausätze (Lieferung ins amerikanische Werk Louisville) berücksichtigt.
Die Bausätze wurden dort montiert, komplettiert und für die entsprechenden Märkte ausgerüstet.

Wer sich für den Schlepperbau der weltweiten IH interessiert, hier Werbung in eigener Sache :

Link : "Schlepper von 5 Kontinenten"
Buschmann / Dittmer
Schwungrad-Verlag

Grüße

matbush
 
matbush:

Kurze Richtigstellung :

• die ersten D-358 wurden als Prototypen 1965 getestet
• die erste 100-er Serie wurde 1966 montiert
• insgesamt wurden 128.830 Stück montiert
• DD-358 war die erste Bezeichnung Mitte der 1960er, dann kam D-358,
  es ist aber der selbe Motor

Korrektur zu St.Dizier und 6-Zylinder :

• St.Dizier hatte bis Jan.1990 das gleiche Schlepper-Produktionsprogramm wie Neuss
  mit Ausnahme von 1255 und 1455 in allen Varianten.

D.h., dort wurden auch 6-Zylinder-Schlepper gebaut :

• 946 von 1971-1977 / Seriennummernblock D03 0702 F001000
• 1046 von 1971-1977, S/N D03 0805 F001000
• 1246 von 1972-1979, S/N D03 0902 F001000

u.s.w. 955,1055,956,1056 inkl. der XL-Typen

St.Dizier baute bis einschl. 31.01.1990 = 412.901 (Stück) Schlepper.
Der letzte in St.Dizier gebaute Schlepper war ein 1056 XL.

- Dann stieg das französische Schwesterwerk komplett auf Getriebefertigung für den MAXXUM um
  und baute selbst keine eigenen Schlepper mehr.
- Der Rest der Story : zuerst, wie in Neuss die Übernahme durch CASE (Tenneco).
- Dann Verkauf 2000 an (die neue) McCormick-Familie.
- Dann kam  2010 eine chinesische Firma (auch Getriebebau) und übernahm die Reste

Zum Schluss zu Doncaster :

Die Briten habens immer nur bis zum großen 4-Zylinder geschafft.
Dafür haben die innerhalb des IH-Konzerns immer die "Billig"-Schlepper für den Rest der Welt gebaut.
Per Definition "ROW" (rest of the world) innerhalb der IH hieß das, alle Gegenden, wo preiswerte
und robuste Schlepper gebraucht wurden, lieferten überwiegend die Briten die IH-Schlepper.

Stückzahlmäßig weiß keiner so genau, was in Bradford und Doncaster gebaut wurde.
Das sind selbst die britischen Insider unsicher. Schätzungsweise (anhand der Seriennummern)
haben die aber wohl annähernd etwas in Richtung zwischen 800.000 und einer Million Schlepper gebaut,
wenn man die Bausätze (Lieferung ins amerikanische Werk Louisville) berücksichtigt.
Die Bausätze wurden dort montiert, komplettiert und für die entsprechenden Märkte ausgerüstet.

Wer sich für den Schlepperbau der weltweiten IH interessiert, hier Werbung in eigener Sache :

Link : "Schlepper von 5 Kontinenten"
Buschmann / Dittmer
Schwungrad-Verlag

Grüße

matbush
Stückzahlen von Doncaster kann ich dir vielleicht helfen, hab im Internet ein Foto vom letzen gebauten McCormick Schlepper gefunden, dort steht 435836 oben!

138635135052a20af652c5b.webp
 
Danke, das war bekannt.
Da fehlen jetzt noch die Stückzahlen aus Bradford, und, wie erwähnt die Bausätze (skidded units).

Um das Verhältnis mal zu verdeutlichen zwischen Schleppern mit Seriennummern und den Bausätzen (skidded units) :
Der folgende Artikel ist aus der CASE aktuell vom Juli 1986. Bis dahin hatte IHC Neuss rund 496.000 Schlepper gebaut
und insgesamt mit den Bausätzen 750.000. Da ist ein Verhältnis von 2/3 zu 1/3 (betriebsbereit zu noch fertig zu montieren)
aus dem Neusser Werk.
Wie das Verhältnis in den anderen Werken aussah, weiß ich nicht. Bei den Bradford-Schlepper
wird es gleich oder größer gewesen sein, da die eine Masse an Bausätzen in die USA lieferten !

normal_1241808.webp

Diese Bausätze wurden weltweit in die verschiedenen Märkte an IHC-Vertretungen (CASE IH-Vertretungen), an spezielle Kunden oder auch an
Organisationen geliefert, die daraus ihre eigenen Maschinen bauten.

Ein Beispiel ist der folgende 1056 mit ADE-Motor :

normal_1241809.webp

normal_1241810.webp

Das mit den "skidded units" ging wie folgt :

• der Kunde oder das IH Schwesterwerk spezifizierten die gewünschten Maschinen
• IH Neuss (oder St.Dizier, Bradford, Doncaster oder auch die anderen IH Werke weltweit) lieferten den entsprechenden Bausatz
• die bestanden dann aus Motor und/oder Getriebe, Hydraulik und/oder Achsen, Kabine und/oder Blechen
  oder ein Mix daraus

Am Beispiel des oben gezeigten 1056 sah das so aus :
die Firma Northmec in Südafrika (die gibts heute noch, auch im Internet) bekam aus Neuss die
Schlepperkomponenten (bis auf den Motor und den Auspuff) geliefert. Die wurden bei Northmec
komplettiert. Dabei kam dann trotzdem ein IH oder CASE IH-Schlepper raus, der allerdings in den offiziellen
Produktionsstückzahlen nicht mit aufgeführt wurde !
Dazu gabs dann auch die Bausätze, die komplett mit allen Teilen geliefert wurden, aber nicht fertig montiert waren !
Das hatte häufig den Grund, das fertig montierte Maschinen häufig höher versteuert oder verzollt werden mussten,
als lose Teile oder Ersatzteile.

Ich hoffe, ich habe die Verwirrung um die Stückzahlen hiermit etwas entwirrt !

matbush
 
Noch ein Nachtrag zu dem Bild mit der Doncaster-Stückzahl :

- da sind die "neuen" McCormicks mit enthalten, deshalb die ungenaue Aussage über

die britischen Produktionsstückzahlen !

matbush
 
"Dafür haben die innerhalb des IH-Konzerns immer die "Billig"-Schlepper für den Rest der Welt gebaut."

Also wurden dann die Bausätze von Doncaster dann auch bei Warchlovsky in Wien zusammengebaut ?

Da damals Ö noch nicht EU war, und das dann billiger zum Verzollen war ?

MfG
 
Bilig-Schlepper will ich nicht sagen.
Das waren die meist typischen Schlepper für Märkte in Afrika, Asien, Südamerika etc.,
mit den Elefantenohren-Kotflügeln, Elektrik sowenig wie möglich, etc.

Wobei Warschalowsky ja immer auch das Neusser Programm angeboten und verkauft hat !

matbush
 
matbush:

[....]
Korrektur zu St.Dizier und 6-Zylinder :

• St.Dizier hatte bis Jan.1990 das gleiche Schlepper-Produktionsprogramm wie Neuss
  mit Ausnahme von 1255 und 1455 in allen Varianten.

D.h., dort wurden auch 6-Zylinder-Schlepper gebaut :

[....]

Grüße

matbush
"Ich nehm‘ nehm alles zurück und behaupte ab sofort das Gegenteil!" :-)

Da ist mir wohl was durcheinander geraten. Wenn man drüber nachdenkt dann macht das ja auch Sinn das die Schlepper der C-Familie auch in St. Dizier montiert wurden, wenn die Getriebe schon vor Ort hergestellt wurden. 

Würde auch gerne noch mehr zu IHC-France erfahren. Kann nur leider überhaupt kein französisch und würd‘ mir daher nochmehr Infos darüber hier oder auch in einem der künftigen IHC-Jahrbücher wünschen.

Gruß

Klaus
 
Hallo Klaus,

den Wunsch nach mehr Infos über unsere französischen Kollegen und deren Produkte
werde ich mal in unsere Themenliste aufnehmen und gleichzeitig mal den Punkt
an meinen Ex-Kollegen Etienne Gentil transferieren.
Da er näher dran ist und war, wird er vielleicht das Thema aufnehmen.

Grüße

matbush
 
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