Hallo zusammen,
tut mir leid, dass es hier in den letzten Monaten / Jahren nichts mehr von mir zu hören gab, aber dafür gab es auch Gründe, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Einerseits habe ich einige negative Kritik für den Beitrag erhalten, wieso man denn so einen Schrotthaufen aufbauen würde, dass es doch überhaupt kein richtiger Traktor oder IHC wäre und so weiter. Vermutlich kamen diese Beiträge zustande, weil der F12 eben kein Edelstahlrohr, keine Breitreifen, keinen aufgespaxten Turbo, keine überdrehte Pumpe und so weiter hat. Aber eines hat er mit den ganzen auffrisierten IH‘s gleich: Einen TÜV bzw. eine gültige Betriebserlaubnis wird er wohl auch nie erhalten... Also eines vorneweg: Sollte sich nochmal jemand hier aufspielen, wird das ein Nachspiel haben. Ich habe nichts gegen negative Kritik oder Verbesserungsvorschläge, sofern sie konstruktiv und freundlich formuliert ist. Aber auch wenn ich erst Anfang 20 bin, werde ich mich nicht von Gleichaltrigen oder Älteren der einschlägigen Szene blöd anmachen lassen.
Außerdem habe ich in den letzten zwei Jahren auch den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und baue eine eigene Firma auf, da blieb nicht viel Zeit für den Farmall, zumal ich nebenbei ja auch noch studiere und genug andere Projekte in der Werkstatt stehen habe...
Dennoch war ich nicht untätig und habe viel Arbeit am PC verbracht. Es wurde viel recherchiert, nach Ersatzteilen gesucht und ich habe ein paar Kontakte mit F12-Besitzern in den USA und den Niederlanden knüpfen können, welche mich deutlich voran gebracht haben. So konnte ich einen defekten, aber nicht unrettbaren Tauschblock auftreiben. Da mein Motorblock ja auch an den Buchsensitzen und der Seite durchgerostet war, taugt er maximal noch als Schnittmodell. Über einen Bekannten in Holland habe ich dann einen Motorblock mit Kurbelwelle, Nockenwelle, Stirnrädern, Ölwanne und Kolben auftreiben können, welcher zwar fest ist, aber eben keinen Totalschaden besitzt.
Außerdem konnte ich einen gebrauchten Zylinderkopf besorgen, da mein Zylinderkopf bereits gerissen ist und der Aufwand ihn wieder überarbeiten zu lassen zu groß geworden wäre. Auch einige Kleinteile konnte ich in den USA organisieren, sodass der F12 soweit komplett ist.
Weiter ging es dann kleinweise mit Kühler und Luftfilter. Das gebrochene Luftfilteroberteil konnte ich ebenfalls in Amerika auftreiben und die Filterpatrone ersetzen. Alles abgedichtet und zusammengebaut, liegt das Teil jetzt erstmal auf Lager. Außerdem habe ich den Kühler zerlegt und das Netz freigelegt. Dieses wird in der nächsten Zeit genauer inspiziert, gereinigt und ggfs. repariert, sollten irgendwelche Defekte auffällig werden.
In der letzten Woche habe ich mich jetzt mal mit dem Tauschmotor genauer beschäftigt. Zuerst wurde der Motor auf den Kopf gedreht und die Ölwanne abgenommen. Darunter sieht soweit alles okay aus, immerhin keine Rostbrühe, wie beim Originalmotor:
Weiter ging es dann mit der Demontage der unteren Pleuelschalen. Die Pleuellager werden natürlich auch erneuert. Interessant ist übrigens, dass die Pleuelstangen und entsprechenden Unterhälften allesamt durchnummeriert sind, damit sie nicht vertauscht werden können. Auf jeder Pleuelstange ist seitlich die Zahl 1-4 eingegossen, welche natürlich für den jeweiligen Zylinder steht. Außerdem zeigen die Nummern immer zur Nockenwelle hin, sodass die Pleuel auch nicht spiegelverkehrt eingebaut werden. Nachdem die Pleuellager ausgebaut waren, war auffällig, dass sich alle vier Kolben sowie die Kurbelwelle unabhängig voneinander bewegen lassen. Sobald man aber die Kurbelwelle mit den Pleulstangen verschraubt, ist alles fest und es rührt sich nichts mehr. Der Grund dafür war auch bald gefunden:
Wie auf dem Foto zu sehen ist, waren zwei Steine im Inneren des Kolbens "versteckt", welche sich mit der Pleuelstange gespreizt haben und den Motor so am Drehen gehindert haben. Ich vermute, dass es sich bei den Steinen um keine "normalen" Steine handelt, die irgendwie ins Motorinnere gelangt sind, sondern viel mehr um Kesselstein, welcher sich gerne bei alten Verdampfermotoren und Motoren mit Thermosyphonkühlung bildet. Da der F12 nach dem Thermosyphonprinzip gekühlt wird, wäre es jedenfalls eingermaßen logisch.
Bevor die Kolben ausgebaut wurden, habe ich allerdings erst noch die Kurbelwelle samt Stirnrad und Stirndeckel ausgebaut. Auch die Hauptlagerschalen der Kurbelwelle werden erneuert, die Kurbelwelle kommt anschließend zum Überarbeiten in einen Fachbetrieb, wobei mir noch die entsprechenden Maße und Daten fehlen, die zur Überarbeitung nötig sind. Falls hier jemand Unterlagen zum F12 Motor hat, wäre ich über jegliche Infos sehr dankbar!
Bis die Kurbelwelle überholt werden kann, muss allerdings erst noch die Riemenscheibe samt Stirndeckel ab, was ich in den nächsten Tagen mal in Angriff nehmen werde, heute habe ich das Ganze erst einmal kräftig mit WD40 eingeweicht, das soll erst einmal einwirken:
Nachdem die Kurbelwelle aus dem Weg war, wurden also die vier Kolben demontiert. Dies ging eigentlich ganz gut von der Hand, nun befinden sich nur noch Buchsen und Nockenwelle im Motorblock:
Derzeit überlege ich auch noch, die die Nockenwelle demontiert werden kann, auch hier wäre ich über Infos von Fachkundigen sehr dankbar. Die Buchsen werde ich selbst nicht ziehen, da ich a) kein entsprechendes Werkzeug habe und b) meines Wissens die Buchsen bei diesem Motor trocken verbaut wurden. Laut Infos aus den USA wurden die Buchsen mit 80 Tonnen Druck eingepresst. Da wird entweder ein entsprechender Buchsenzieher schlapp machen, oder es geht irgendwas anderes kaputt. Daher werde ich den leeren Block zu einer Fachfirma bringen, welche die alten Buchsen gegen die Neuteile austauschen soll.
Die vier ausgebauten Kolben wurden erst einmal grob gereinigt:
Anschließend wurden die Kolbenbolzen ausgepresst und die Pleuelstangen vom Rest getrennt. Neue Kolben, Kolbenbolzen und Kolbenringe sind bereits bestellt, aber noch nicht angekommen:
Soweit nun der aktuelle Stand. Tut mir leid, dass es eine so lange Pause gab, nun möchte ich aber wieder regelmäßig an der Eisensau arbeiten und Fortschritte berichten können.
Viele Grüße vom schönen Chiemsee
Sebastian
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Meine Spielzeuge:
IHC 824S, IHC D-324, IHC 353, IHC Cub Cadet 123 (USA), IHC Farmall F12 (USA), IHC Farmall Cub (Frankreich), Bungartz T5, Eicher EKL 15/II, Eicher 3709 Schmalspur, Steyr T84, Agria 2400, Agria 1300R, Irus U 600 (Prototyp)