Sand im Getriebe

Rotapfel

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15 Dezember 2021
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36284 Hohenroda
Hallo,

ich überarbeite gerade eine D326 Ölsardine. Aktuell ist es der Hydraulikblock, also Hubarmwelle, Regelfühlerstift usw. Was ich dabei gefunden habe kann man leider nur noch als Pfusch auf höchstem Niveau bezeichnen. Unter dem herum gedrehten Hydraulikblock war in der Aussparung für das Tellerrad nach dem säubern eine größere Fläche einer schwarzen Anhaftung. Minimal mit dem Schraubenzieher gekratzt und loser Sand flog herum. Es handelt sich dabei um Gießsand aus der Tempergießerei welcher nicht ordentlich entfernt wurde, insgesamt ein kleines Schnapsglas voll. Das selbe innerhalb des Stellwellenlagers, nur war es dort nicht ganz so viel. So einen Pfusch hatte ich mal bei einer kleinen Chinesendrehbank. Bevor ich sie das erste mal benutzt habe hatte ich die billigen Lager der Hauptspindel gegen SKF Lager getauscht. Dabei wurde ich auch im Getriebeblock fündig, Gießsand in jeder Ecke. Also alles säubern und noch mit ölbeständigem Lack lackiert das sich übersehene Sandkörner nicht lösen können. Wohlgemerkt das war eine billige Chinabank und kein Made in Germany! Hier bei dem D326 waren in einer Baugruppe zwei Teile betroffen, wobei eine gleich noch Auswirkungen auf das Getriebe hat. Damit ist das keine äußerst seltene Ausnahme mehr. Da wird in den Werkstatthandbüchern von IHC ein gedöns gemacht "Arbeiten am Getriebe nur in sehr sauberen Werkräumen" und dann wird der Sand aus Neuss gleich mitgeliefert. Wenn man davon ausgeht das die Gussputzerei bei allen Tempergussteilen so geschlampt hat muß sich niemand wundern das es beizeiten zu hohem Verschleiß oder Totalausfall kommt. Vielleicht liegt hier der Hund begraben weshalb IHC’s angeblich nicht so haltbar wie andere Fabrikate sind. Sollten die Motorenblöcke aus der gleichen Gießerei stammen ist dort mit ähnlichem zu rechnen und es wäre eine Erklärung für so manche Riefe in Kolben, Büchsen und eingelaufene Lager. Schuld ist hier auch nicht nur der Gussputzer sondern auch die Zwischen oder Endmontage die alle Teile ohne Öl und Dreck zu sehen bekommt. Da muß so etwas auffallen, war aber anscheinend egal. Weiter im Text. Die gedrehte Innendichtfläche für den kleinen O-Ring im Stellrohr war nur mit einem Schruppmeißel grob vorgedreht und fertig. Da kann nichts dicht werden und der O-Ring wird auf der rauhen Oberfläche zerrieben. Ich habe die Fläche mit mit einem Fächerstift nachgeschliffen und zur Sicherheit noch eine Nute für einen zweiten O-Ring vorne in die Stellwelle gedreht, das wird jetzt hoffentlich dicht. Mangelnde Ingenieurskunst ist das eine, aber dies sind das sehr grobe Pfuschereien an neuralgischen Bauteilen die so nicht hätten vorkommen dürfen.

Liebe Grüße

Martin Grusenick

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                             Gießsand in der Außsparung vom Tellerrad.

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                             Sandausbeute

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                             Und nochmal Sand, auf zur Beachparty!

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                             Grob geschruppte Dichtfläche. 

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                             Zweiter Dichtring vorne an der Stellwelle.
 
...wird nach über 60 Jahren nach Auslieferung auch etwas schwierig...! Ich finde "diese paar gelöste Krümel", aus welchen Gründen auch immer, ein wenig Kaffesatzleserei..., zumal ich hier auch keine strukturelle Minderqualität vom Guss erkenne, sondern erstmal nur einen Einzelfall nach über 60 Jahren u. 10000h +X im rauhen landwirtschaftlichen Einsatz!?  Ist hier wirklich der Guss schlecht, an dem sich Teile ablösten, oder hat am Guss zuvor irgendetwas gerieben? Oder ist es gar nur oelverschmierter Dreck der von außen über undichte Öffnungen u. unsaubere Oelfüllungen ins System reingetragen wurde? Fragen über Fragen...

Aber, mein Gott..., wem will man nach solch einem langen Zeitraum noch etwas vorwerfen? Das Werk samt Gießerei ist längst Geschichte...

Gruß

__________________________
Gaggenau / Neuss / Forstern
 
Moin.

Ich finde das spannend und informativ, hab das nicht als unnütze Motzerei verstanden.

Früher war alles besser? Das waren auch nur Menschen wie wir. Vielleicht hatte da einer Geburtstag und es gab Schnaps....

Gruß Jürgen
 
#Martin,

"...weshalb IHC’s angeblich nicht so haltbar wie andere Fabrikate sind"

Ruder mal etwas zurück.
IHC Neuss hat über 1.6 Millionen Motoren gebaut.
Die gemeldeten Garantiefälle wegen Motordefekten lagen < 1%

Wie du schon schreibst :"... angeblich...",
Ich kenn zwar die Zahlen anderer Hersteller wegen defekter Motoren nicht,
aber "angeblich" sind die auch nicht so lange haltbar.

Du reparierst / restaurierst gerade eine "Ölsardine" D-326, die minimum 56 Jahre alt ist.
Was daran "...weshalb IHC’s angeblich nicht so haltbar wie andere Fabrikate sind" sein
soll, kannst du bestimmt begründen.

Hier im Forum und dessen Verbreitungsgebiet gibt es Besitzer von IHC Schleppern,
die weit mehr als 10.000 Betriebsstunden auf der Uhr haben.
Und das nicht nur in Einzelfällen.

Freue mich auf deine Stellungnahme !

matbush
 
Hallo,

der D326 und ich sind eine Zweckgemeinschaft, ich habe ihn von meinem verstorbenen Vater übernommen. Wir haben einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit 7,5ha Dauergrünland und wollen ihn zusätzlich zu unserem Agrokid als Zweit-Hofschlepper nutzen. Auch andere Fabrikate in dem Alter schwitzen und ölen, das ist kein reines IHC Problem. Die Undichtigkeiten beseitige ich gerade da wir es uns nicht leisten können mit einem ölenden Schlepper Futter zu produzieren. Was mich geärgert hat ist die Verarbeitungsqualität, insbesondere die Aufarbeitung der Gussteile. Ich hatte Beruflich mit zwei Gießereien zu tun und kenne den Arbeitsprozess dort relativ gut. Die Formen wurden früher aus einem Sand-Öl-Gemisch hergestellt um überhaupt Hohlräume gießen zu können. Beim eigentlichen Gießen verbuck diese verlorenen Form an den Kontaktflächen mit dem eigentlichen Stahlguss und mußte mühsam entfernt werden. Das war eine barbarische Arbeit mit Hämmern, Meißeln, Pressluftnadlern, schweren Presslufthexen und das alles mit einer gigantischen Lautstärke und lungenschädlichem Dreck. Ich hatte auch Gelegenheit mit mit Mitarbeitern von Gießereien zu unterhalten, auch in Gussputzerei. In den Gießereien die ich besucht habe arbeiteten in den früheren Jahren vorzugsweise ausländische Arbeiter da nur wenige Deutsche diese Arbeit machen wollten. Arbeitsschutz wie heute vorgeschriebene Vollschutz-Atemmasken und brauchbare Gehörschütze gab es nicht. Die Arbeiter sahen nach einer Schicht alle gleich aus, nämlich schwarz. Oftmals war die mangelnde Beleuchtung in den Gussputzereien aufgrund des permanenten Staubes und Dreckes noch schlechter und es konnte schon mal etwas, besonders in Hohlräumen, übersehen werden. Dazu kam noch das in den meisten Fällen im Akkord gearbeitet wurde, also noch mal druck. Bei meinen Bauteilen wurde schlecht verputzt, die Anhaftungen sind nicht irgend welcher Dreck sondern verbackener Gießsand aus dem Formenbau. Dieser neigt dann dazu sich irgendwann zu lösen und wird mit dem Ölstrom an stellen befördert wo er niemals nicht hinkommen soll. Was mich so geärgert hat war das beide Teile danach in der Dreherei und am Bohrwerk weiter bearbeitet wurden ohne etwas zu mokieren. Das selbe geschah dann noch in der Vor und Endmontage. Das heißt, diese Teile sind durch mehrere Hände gegangen ohne das einer die Reißleine gezogen hat. Es war also nicht das alleinige Problem des Gußputzers oder einer Flasche Schnaps am Geburtstag eines Mitarbeiters. Das ist einfach Fakt und daran gibt es nichts zu deuteln. Dies ist kein Motzbeitrag gegen IHC sondern gegen Pfusch im allgemeinen. Ich komme aus dem Ländlichen Raum und bei uns liefen viele IHC-Traktoren, überlebt hat leider fast keiner. In Anbetracht der Masse an verkauften MC Cormick müßten es aber deutlich mehr überlebende sein, sind es aber nicht. Bei Alten von Deutz sieht es ähnlich aus. Nur die kleinen von Fendt oder Massey z.B. der 135 wurden von den Höfen behalten, die Deutz und IHC wurden beizeiten wieder abgestoßen, jedenfalls bei uns in der Ecke. Außerdem soll dieser Beitrag der Information dienen wenn beim Schrauben solche Verunreinigungen an Gussteilen auftauchen. Diese können sich jederzeit lösen und je nach dem wo sie hin gelangen immensen Schaden anrichten. Also Augen auf bei der Arbeit und wenn er schon offen ist alles säubern und auch die dunklen Ecken inspizieren und nötigenfalls nacharbeiten. Ich hänge speziell an diesem 326 weil er mich mit meinem Vater verbindet, deswegen auch die Mühe die ich mir mit ihm mache. Ich hoffe das ich nicht aufgrund dieses Beitrages disqualifiziert werde sondern weiter Unterstützung beim herrichten unseres MC Cormick D326 hier im Forum bekomme, auf das er noch viele Jahre leichte Arbeiten verrichten kann.

Liebe Grüße

Martin
 
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