Hallo Jochen,
ich bin seit 23Jahren in einer Mineralölfirma als Tankwagenfahrer tätig, vieleicht kann ich Dir ja ein wenig weiter helfen.
In der Zeit hat sich einiges getan. Von hören, sagen, meiner ältern Kolegen weiß ich, das in den Siebzigern das Heizöl noch direkt vom Fahrer eingefärbt wurde.
Zu der Zeit war das Grundprodukt von Heizöl und Diesel das gleiche.
Im Laufe der Zeit veränderten sich aber die Produkte. Zum ersten hat man den Schwefelanteil im Diesel stark verringert, das geschah beim Heizöl erst viel später.
in den 80ern hat man dann dem Diesel Additive beigefügt, wichtig für die Verbrennung in Kraftfahrzeugen. Man nannte es ab da dann Superdiesel. Im Heizöl sind diese Additive bis heute nicht enthalten.
Irgendwann in den letzten zwei Jahrzehnten hat man dem Diesel 5%, später 7% Biodiesel verpflichtend mit beigemischt.
Vor ca. 5-10 Jahren sank dann auch im Heizöl der Schwefelanteil drastisch, sodas man mitlerweile von schwefelarmen oder schwefelfreiem Heizöl spricht.
Da Schwefel eine schmierende Funktion hatte wurden dann auch dem Heizöl Additive zugesetzt, diese unterscheiden sich aber von denen des Diesels.
Grundsätzlich sollte kein Diesel mit Biodieselanteilen in einer Ölheizung verbrannt werden, es könnte, laut unseren Monteuren, zu Problemen mit der Heizung kommen.
Heizöl kann rein theoretisch in Dieselmotoren verbrannt werden, es kommt aber im allgemeinem zu höherer Rußbildung, da die Additive fehlen. Auch eine Verkokung der Ventile ist zu erwarten. Die rote Farbe des Heizöles lässt sich auch nach Jahren im Tank noch feststellen, sie bildet übrigens auch typische Ablagerungen bei der Verbrennung im Fahrzeug.
Im übrigen ist Diesel und Heizöl einem Alterungsprozess unterworfen, bei dem es einiges an Energieleistung verliert. Bedenke bitte das Diesel und Heizöl, auch wenn es oft anders erzählt wird, ein Natürprodukt aus organischen Kohlenwasserstoffen ist.
Es gibt nun mehrere Möglichkeiten das Zeug zu entsorgen. Da es ohne Farbe ist, gehe ich auch davon aus das es Diesel ist. Du könntest es also in Deinem 644 fahren, allerdings würde ich aus Sicherheitsgründen es immer mit frischem Diesel mischen. Beim Mischungsverhältnis von 1 zu 2, alt zu frisch, sollte, bei geringen Leistungseinbußen, das ohne Probleme möglich sein ( ohne Gewähr ).
Das verbrennen in der Ölheizung sollte auch funktionieren ( es sei den, in dem Zeug wären schon Biodieselanteile enthalten, was ich aber, wenn das Alter stimmig ist , ausschließe), wenn Du nicht gerade einen Brennwertkessel hast. Die sind in der Regel auf schwefelarmes oder schwefelfreies Öl angewiesen.
Aber auch hier sollte es nicht alleine, sondern mit frischem Öl gemischt verbrannt werden. Der Vorteil hierbei besteht darin, das man kurz vor der nächsten Öllieferung das Zeug in den Heizöltank pumpen kann und es sich dann, durch den hohen Einfülldruck des frischen Öles, ordentlich vermischt.
Es besteht hier auch meistens die Möglichkeit, bestimmte verbrennungsverbessernde Additive vom Ölfahrer händisch einfüllen zu lassen, die sich dann auch mit dem alten Öl gut vermischen.
So, ich hoffe ich konnte Dir weiterhelfen.
Solltest Du doch noch Fragen haben, dann melde Dich doch einfach bei mir.
Gruß
Uli