Grünlandschlepper-Ackerschlepper

Choeli

Bekanntes Mitglied
Registr.
10 Februar 2011
Beiträge
138
Hallo zusammen Ich habe da mal eine Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Grünlandschlepper und einem Ackerschlepper?Ist der Grünlandschlepper meistens sehr leicht und hat wenig Leistung und der Ackerschepper schwer und hat viel Leistung.  Gruss Chöli
 
Hallo,

Was meinst du mit Grünlandschlepper ? meinst du damit jetzt nen Schlepper für den Rasen ( z.B. für den Golfplatz), weil die z.B. viel leichter sind, viel kleiner und kompakter , weniger Leistung haben und breitere Reifen mit geringem Profil haben.

Ackerschlepper haben ne größere Übersetzung, sind schwerer, haben ne höhere Leistung und besitzen meist nen Allradantrieb. Im endeffekt sind alle gängigen Traktoren Ackerschlepper, weil die Bereifung eher für den Acker, als für den Rasen geeignet ist.

Warum willst du das wissen ? ( interresiert mich).
 
Hallo Chöli

Der Begriff Grünlandschlepper oder auch Grünlandspezialist ist Anfang der 1980er Jahre in der Schlepperwerbung geprägt worden. Zum Beispiel auch für den IHC 833

normal_803371.webp

Seinerzeit wurde in Milchviehbetrieben und sogar teilweise in der Bullenmast vielerorts noch ganz anders gearbeitet als heute. Unter anderem war es sehr verbreitet während der Vegetationszeit tagtäglich frisches Futtergras einzuholen und zu verfüttern. Für diese Arbeit war ein Schlepper mit der damals noch relativ neuartigen Fronthydraulik nötig, damit wurde dann im Frontanbau ein Mähwerk gefahren und das gemähte Grass dann gleich mit einem angehängten Ladewagen im gleichen Arbeitsgang eingesammelt um dann direkt im Stall zur Fütterung wieder entladen zu werden. Weil zu dieser Zeit das Vieh in den meisten Fällen noch in Altbauställen untergebracht war mussten die dafür verwendeten Schlepper und Maschinen relativ kompakt sein und das bei einer für damalige Verhältnisse relativ breiten Bereifung um die Grassnabe in den Wiesen zu schonen.

Daraus ergab‘ sich dann seinerzeit ein verändertes Anforderungsprofil an die Schlepper. Wie bereits geschrieben, sollten die möglichst kompakt sein damit sie für enge Stalldurchfahrten geeignet sind. Gelichzeitig mussten die aber über genug Motorleistung verfügen um neben der Zugkraft für den Ladewagen gleichzeitig auch noch an der Heck- und Frontzapfwelle genügend Leistung für den Ladewagen (Pick up, Ladeboden usw.) und das Mähwerk bereitzustellen. Seinerzeit war es ja noch nicht überall üblich das man für die Bestellung seines Ackers schon Anbaugeräte benutzt hat die ebenfalls schon solch einen hohen Leistungsbedarf an die Zapfwelle gestellt haben. Beispielsweise hatten die Pflugschare noch üblicherweise eine Form die eher zu einem relativ schmalen aber hohen (größerer Raddurchmesser) Reifen gepasst hat, ausserdem war in der Bodenbearbeitung auch eher Zug- als Zapfwellenleitung gefragt.

Das ganze klingt hier sehr theoretisch - ist es auch, die Schlepper und Geräteanwendungen in der Praxis unterschieden sich oft deutlich von dem was sich die "Gelehrten" am Planungstisch ausgedacht haben.

Inwieweit sich diese (gewandelten) Arbeitsmethoden auf andere Regionen als unser Norddeutsches Flachland übertragen lassen oder früher übertragen liessen entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich hoffe das ich damit Deine Frage beantworten konnte.

Gruß

Klaus

Gruß

Klaus

Don‘t feed the trolls !!!
 
Klaus hat Recht!

Aber heute ist es vor allem eine Frage der Bereifung und der Ausstattung.

Ich habe lange nach einem 833 gesucht, vor allem WEIL ich grundsätzlich keinen Ackerbau betreibe, und sehr überwiegend Grünland pflege.

Geworden ist es dann aber ein 844 AS mit einer leichten Mauser-Niedrigkabine.

So leicht wie ein 833 ist das Teil nicht, zumal es einen Frontlader hat.

Aber die rd. 10 PS mehr kann ich spätestens dann gut brauchen, wenn ich im März einen schweren Kalkstreuer ziehe....

Letztlich sind aber die Reifen entscheidend, ich fahre vorne 380/70R24 und hinten 520/70R34, und zwar Conti AC 70 G, also ein Grünlandprofil mit niedriger Stollenhöhe und guter Überlappung in der Mitte.

Diese Reifen laufen auf Grünland UND auf Asphalt sehr schön. Sogar auf Schnee sind sie recht gut. Nur auf dem Acker wären sie ziemlich untauglich.

Zum Pflügen wären diese Reifen alleine schon deshalb eine Katastrophe, weil sie außen fast bündig laufen. Dadurch ergibt sich auf den Reifeninnenseiten zwischen vorne und hinten ein großer Versatz, der beim Fahren in Pflugfurchen sehr hinderlich wäre.

Mein 844 AS hat ein 16 plus 8-Getriebe, und zwar das mit der 30-%-Reduzierung. Im Prinzip hat er mit 30 % Untersetzung ein 25-km/h-Getriebe, welches man nach Ausdrehen des 4. Straßengangs bei ca. 25 km/h dann auch "30-km/h-Version" hoch schalten kann.

Gemessen an modernen Schleppern hat man damit nicht gerade gigantische Zugleistungen, aber für Grünland und Transportfahrten reicht das völlig.

Es gab den 844 AS auch mit einer anderen 16plus8-Getriebe-Konfiguration, da konnten quasi unterhalb der normalen Ackergruppe noch Kriechgänge geschaltet werden. Für Ackerbau, vor allem Gemüse und Pflanz-Tätigkeit sicher eine feine Sache. Für mich wäre das völlig unbrauchbar....

Ist eigentlich klar, dass man sich seinen Schlepper so "konfiguriert", dass er zu den jeweiligen Einsatz-Zwecken am besten passt.

Grünland-Schlepper heißt im Zweifel leicht, weniger Gänge (spart Geld!) und Grünland-Bereifung.

Wer eine "eierlegende Wollmilch-Sau" will, muss halt in einigen Anwendungsbereichen Einschränkungen in Kauf nehmen.

Einfach ausgedrückt: Wer mit einem eher für den Acker geeigneten Schlepper Grünland pflegt, fährt vor allem im Bergland ziemlich viel Grasnarbe kaputt.... und bleibt schon mal in Ecken hängen!
 
Zurück
Oben Unten