Hallo zusammen,
um zu dem Thema etwas beizutragen was in diesem Forum ja verboten ist, eine kleine Anleitung zum Thema Turbo.
ich möchte hier jetzt keinen auf den ober Schlauen machen, aber was Turbos auf Traktoren angeht habe ich mich ca. ein halbes Jahr intensiv mit befasst. Das ging so weit das ich sogar einen Termin bei Borg Warner hatte. Man liest eine Menge wilder Dinge in Internet. Auch hier hab ich schon einige Trades gelesen da treibt es einem die Tränen vor Lachen in die Augen, wie zb. Kolbenboden mit Öl kühlen.
Also, fangen wir mal unten bei der Kurbelwelle an. Die KW selbst ist kein Problem, sondern die Härtung der einzelnen Lager. Eine Serienwelle ist nur soweit gehärtet wie es für den Standartgebrauch notwendig ist. Als erstes muss die KW zum Schleifen und zum Härten. An der Stelle die Motorenfirma gezielt darauf aufmerksam machen das ein Turboumbau der Grund der Überholung ist, und nicht weil ihr Geld zu viel habt. Auch die Passlager direkt bei dieser Firma bestellen. Das müssen keine Speziellen Lager sein, denn je härter die Lager desto anfälliger die KW. Sollte sich nach zig tausend Betriebsstunden ein Motorschaden ankündigen, sind nur die Lager hinüber und nicht die Welle. Kostenfaktor mit Lager ca. 500€
Jetzt zu den Pleuel. Die stand Art Pleuel können diese Mehrleistung ohne weiteres abhaben. Sollten nur vorsichtshalber die Lager der Kolbenbolzen neu gemacht werden. Wie gesagt, muss nicht, ist zu empfehlen je nach Laufleistung.
Die Kolben sind immer so ein hitziges Thema, wie schon oben beschrieben ( Lach ). Wir fahren nicht in der Formel 1 und auch keine Bergrennen. ( Denk ich mal ). Der normale IHC Motor hat eine Drehzahl je nach Typ zwischen ca. 2040 und 2500 Umdrehungen. So einen Blödsinn wie Kolbenboden kühlen ist tatsächlich nicht nötig bei den Drehzahlen und der Wärmeentwicklung. Ganz normale Standartkolben reichen vollkommen aus. Es sollten nur bei einem Umbau Laufbuchsen und Kolben erneuert werden. Wieder einmal abhängig von der Laufleistung. Alles zusammen ca. 800€ ( 3 Zylinder )
Der Serien Zylinderkopf ist aus Grauguss gefertigt und hat keinerlei Probleme mit dem Turbo. Den Kopf evtl. Planen, wenn nötig die Ventile neu Einschleifen. Vielleicht sogar Ventilsitz neu Fräsen, aber wie schon gesagt, dass ist je nach Zustand.
Jetzt zum Turbo.
Auf den Schrottplatz gehen und einen Turbo mit den ungefähr gleichen ccm zu holen geht in die Hose. Wird zwar laufen, aber die Leistungsentfaltung ist eine ganz andere als das was ihr eigentlich wollt. Die Jungs bei Borg Warner haben mir das genau erklärt. Ein Pkw hat eine andere Drehzahl als ein Traktor. Deswegen hat ein Turbo für einen Traktor eine andere Schaufelgeometrie, er spricht viel früher an. Dann sollte bei einem Nachrüsten nicht über 0,6 Bar Ladedruck gefahren werden, deswegen einen Lader mit Wastegate der auf 0,6 eingestellt wird. Auch darauf achten das es ein Lader mit Gleitlagerschmierung ist und kein Kugelrollenlader. Man wird euch sagen das der Lader mit Kugelrollen viel früher anspricht und auch früher Leistung bringt, aber jetzt mal bitte, wir Reden über einen Drehzahlbereich ab Standgas von vielleicht 1800 Umdrehungen. Die Gleitlagerschmierung hat sich bewährt und LKW fahren bis zu 1 Million KM mit diesem Turbo. Warum also eine Neuentwicklung Kaufen die erst im Ansatz erprobt ist. Berücksichtigt man diese Faktoren, hat man eine ca. Mehrleistung von 25% ohne den Motor frühzeitig in Ruhestand zu Schicken. Ich weiß, jetzt kommt die Frage, wo bekomme ich einen solchen Turbolader her. Den Lader könnt ihr im GUTEN Tuninggeschäft kaufen. Auch im Kaufvertrag oder der Rechnung sollte stehen das er auf 0,6 Bar eingestellt ist. Trotzdem auf die Drehzahlen des Motors aufmerksam machen. Mein Tipp, nach Borg Warner Fragen. 80% der Serienfahrzeuge werden damit ausgestattet, dass nicht ohne Grund. Kostenfaktor ca. 800€.
Wenn alles zusammengebaut ist kommt noch die Einspritzpumpe dran. Um das Drehmoment des Motors Standfest zu machen muss die Pumpe auf den Turbo abgestimmt werden. Das heißt an die Motorbremse, erst dann sieht man den Leistungsverlauf des Turbos. Die Einspritzpumpe so Einstellen das die volle Leistung des Motors ca. 100 Umdrehungen unterhalb der Zapfwellendrehzahl von 540 liegt, denn das ist der Bereich wo später die Leistung auch anliegen muss. Kostenfaktor ca. 250€.
So, das war es. Wenn ihr diese Dinge berücksichtigt, habt ihr auch lange Spaß an eurem Turbomotor.
Sollte das ganze jemand falsch Auffassen, war nicht meine Absicht jemand auf die Füße zu treten.
Gruß an alle Volker633A