Kartoffelacker für Anfänger.. (Weideland umbrechen)

Metallliebhaber

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25 September 2019
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Wesermarsch
Moin,

Da sich ja eine größere anzahl an Landwirten, Hobbylandwirten und welche die es mal werden wollen befinden, wollte ich mal die Frage in den Raum werfen wie man denn einen Kartoffelacker vorbereitet.

Welche Maschinen brauche ich? In welcher Reihenfolge macht die Bearbeitung Sinn?

Aber fangen wir oben an.

Punkt 0: Ich

Kurz zu mir, ich bin Hauke, 24 Jahre jung, komme aus der Wesermarsch und bin stolzer Besitzer meines frisch erworbenen IHC 654AS. 

Bisher habe ich schon mit einem Einachser(mit Pflug und Frässternen) im Garten (120m²) Erfahrungen im Anbau mit Getreidesorten und Zuckermais gesammelt, einen eigenen Kartoffelacker hatte ich nie.

Das will ich im nächsten Jahr ändern, deshalb liest du das hier gerade ;).

Punkt 1: Das Land

Ich spreche hier von einem Stück Weideland ( 1000m² )in einer moorigen Region, dabei kann ich sicher sagen das ab 15cm tiefe fester Lehmboden beginnt.
Ebenfalls ist es vermutlich interessant das die Fläche sehr tief, also ziemlich nah am Grundwasser liegt (stand heute weniger als 0,5m bis zum grundwasser)

Generell ist der Boden nicht sehr sandig, daher werde ich spätestens bei der Ernte mit Problemen zu tun haben, das kann ich aber noch akzeptieren.
Irgendwie schafft es ein Biolandwirt einige Km weiter es auch Kartoffeln anzubauen, es muss also gehen.

Ich werde große Probleme mit dem Drahtwurm haben, diese erfahrung haben auch schon andere gemacht, kann man dagegen was tun?

Punkt 2: Geräte

Zur verfügung steht mir aktuell mein IHC 654AS, also 60PS mit Allrad.
Dieser hat leider ziemlich breite 16.9r34 Reifen, die sind vermutlich nicht Ideal aber ich möchte sie dranbehalten.

Welche geräte benötige ich noch? Geld steht in einem gewissen maße zur verfügung, aber bei der kleinen Fläche sollte man noch realistisch bleiben.

Bisher dachte ich an folgende Geräte:

3 Schaar Beetpflug (Schlepperleistung sollte ausreichen?)
2-2,5m Grubber mit Krümmlerwalzen (Funktionieren die auf dem schweren Boden?)
2-2,5m Bodenfräse (Leihgerät) (Reichen auch hier 60PS? Stichwort Frässohle?)
Eine art Tiefengrubber (Sauzahn) um die Tieferen Erdschichten zu brechen und um Wasser besser ablaufen zu lassen?

Geräte zum Anhäufeln und Hacken baue ich mir denke ich mal selbst.

Die Kartoffeln wurde ich gerne mit einem Schwingsiebroder ala. Kuxmann ernten, kann das funktionieren?
Ein Schleuderroder klingt erstmal nicht besonders überzeugend.

Punkt 3: Arbeitsabfolge

Macht es Sinn im Herbst das Weideland umzubrechen, damit die Grassohle verrotten kann?

Im Frühjahr nocheinmal Mist aufbringen und mit dem Grubber einarbeiten?
Danach den Boden mit einer Bodenfräse krümelig bekommen und so für die Aussaat vorbereiten?

Folgende Fragen stellen sich mir:

Entsteht beim Fräsen nicht eine Frässohle die die Wurzeln der Kartoffelpflanze nur schwer durchdringen können, und durch die Wasser nichtmehr ablaufen kann?(Gerade im bezug auf den Lehmboden)
Macht ein einfacher Federzinkengrubber überhaupt Sinn?(Kosten bei E*ay Kleinanzeigen etwa 100-300€)

Woraus ergibt sich später der Reihenabstand? Aus der Spurbreite vom Schlepper? ich muss da ja noch irgendwie durchfahren...

Ich habe mich schon etwas belesen und beschäftige mich seit längerem immer wieder mit diesem Thema 
und hoffe hier auf viele gute Tipps und Erfahrungen die Leute schon vor mir gemacht haben.

Mit freundlichem Gruß

Hauke
 
Hallo Hauke, möchte deinen Elan nicht bremsen,, aber normalerweise haben wir in Deutschland umbruchverbot für Grünland. Ich würde mich erst mal informieren ob du dies bei euch darfst.

Gruß Volker
 
Moin,

Lege selbst auch Kartoffeln auf schwerem Tonboden, ebenfalls eins meiner Hobbys und auch max ca. 1000m² pro Jahr . Meine Erfahrungen dazu basieren auch auf den Erfahrungen meines Großvaters der das Jahrzehnte nach alter Schule praktiziert hat. Zum Einsatz kommt mein D430 und Hako 1-Achser. Viele Fragen auf einmal. Alle werd ich nicht schaffen aber ich fang mal an:

Zu1:

Hört sich doch gut. Lege selbst Kartoffeln in schwerem Tonboden der noch vor wenigen Jahrzehnten Moor und Sumpf war. Noch vor wenigen Jahren standen bei uns im Winter immernoch ganze Seen auf manchen Schlägen. Vorteil ist unter anderem, dass schwerer Boden in der Regel erheblich mehr Wasser speichern kann und die Kartoffeln meiner Meinung nach besser schmecken. Nachteil ist die aufwendigere Bearbeitung und damit verbundene Kosten (Aufwand, Verschleiß etc.). Zudem wird schwerer Tonboden bei andauernder Trockenheit hart wie Beton. Gegen Drahtwürmer hilft ordentliches Pflügen im Herbst und Frost im Winter. Zudem ganz wichtig, nur alle 4 Jahre (besser mehr) die Kartoffeln auf den selben Schlag stellen. Wenn du vorher längere Zeit Weideland drauf hattest erhöht das den Druck durch Drahtwürmer noch zusätzlich. Wenn es ebenfalls nur Hobby ist kann auch eine Schwarzbrache sinnvoll sein. Daneben gibt es sicher auch das ein oder andere Mittelchen aber da hab ich wenig Ahnung.

Zu2:

Die maximale Reifenbreite hängt natürlich auch von deinem Reihenabstand ab. Ich lege noch im alten Maß von 62,5cm (Spurweite: 1,25m), heutzutage wird meist 75cm (Spurweite: 1,5m) gewählt. Bereift hab ich 12.4R32 wobei ich damit die Kartoffeln nur ausmache, fürs durchfahren ist das auch schonschwierig. 16.9er dürfte bei 75cm Reihenabstand ähnlich knapp sein bzw wenn du alles damit machen willst würd ich mich nach schmaleren Rädern oder nen Satz Pfegerädern umschauen. Ggf. geht auch ein noch breiterer Reihenabstand. Kommt halt drauf an was für dich am ehesten Sinn macht und deine vorhandene Gerätschaft her gibt.

Grundlegend würde ich dir estmal zu Pflug und Feingrubber ggf. mit angehängtem Striegel oder Krümler raten. Fräse und Grubber würd ich erstmal hinten anstellen und mit einem Tiefgrubber kommst auch nicht viel tiefer als mit nem Pflug. Wenn du sehr tiefe Bodenverdichtungen hast kommt es eher auf passende Fruchtfolgen bzw. Zwischenfrüchte an.

Zum roden nutze ich auch nen alten Schmotzer Schleuderroder. Da kommt gern die Familie und hilft aufsammeln, das erinnert mich jedes Jahr an früher als ich das noch als Kind verflucht habe... Wenn du allein bist ist ein Siebroder natürlich von Vorteil.

Zu3:

Nach Weideland würde ich bei passenden Bedingungen im Spätherbst pflügen und anschließend fräsen, im Winter nochmal bei Frost grubbern. Mist würde ich hier erst mal seinlassen um nicht zuviel organisches Material im Boden zu haben, was nämlich nicht verrottet erzeugt schnell fäulnis...

Regulär: Im Herbst nach der Ernte ggf. einen oberflächlichen Grubberstrich (kein muss). Anschließend Mist fahren und bei passenden Bedingungen ordentlich pflügen. Im Winter auf Frost hoffen, besonders bei schwerem Boden, nichts krümelt besser. Im Winter ggf. bei oberflächen Frost grubbern (kein muss). Im Frühjahr dann kurz vorm setzen mit Feingrubber das Saatbeet bereiten. 

Die Bodenbearbeitung etc. richtet sich natürlich immer nach dem Boden und was man zur Verfügung hat. So wie du deinen Boden beschreibst wäre ich mit einer Fräse vorsichtig. Falls du wie ich Probleme mit der Ackerwinde hast, kannst du die Fräse gleich einmotten. Karoffeln benötigen viel Wasser wobei zuviel Wasser bzw. Staunässe zu Fäulnis führt. Bei den aktuellen Sommern sollte Feuchtigkeit im Boden aber egal wie kein Problem sein. Wie schon gesagt hilft gegen wirklich tiefe Verdichtungen zB bestimmte Zwischenfrüchte die auch zu Kartoffeln passen. 

Dein Reihenabstand ergibt sich aus deiner Spurweite bzw. umgekehrt (Beispiele siehe oben). Wenn du Verstellfelgen hast sollte sich eine passende Spurweite leicht finden lassen. Aber selbst bei 75cm Reihenabstand nehme ich stark an das du mit 16.9er Reifen nicht sauber durch die Reihen kommst.

So hoffe das Thema in Schwung gebracht zu haben und bin gespannt auf weitere Antworten und Meinungen.

Grüße Alex
 
Hallo,

ist die Fläche bisher nicht Landwirtschaftlich genutzt, besteht kein Umbruchverbot. Aber bei den Bodenverhältnissen würde ich mir das nochmal überlegen, ob das klappt mit den Kartoffeln. Kartoffeln lieben sandigen bis lehmigsandigen Boden. Wird bei dir runterherum viel Kartoffeln angebaut, dann ist es doch einfacher, dort nachzufragen.

Bei Weideumbruch muß man auch immer in den ersten Jahren damit rechnen, das der sog. Drahtwurm kommt und die Kartoffeln schädigt. Bekommt man ganz einfach raus, indem du jetzt im Frühjahr einige Kartoffeln in den Boden steckst und nach ein paar Tagen wieder ausbuddelst. sind da Würmer drin würde ich es lassen. Kartoffeln müssen tief im Boden sein, damit diese während des Wachstums schön bedeckt sind und im lockeren Boden gut wachsen können. Wasser von unten können die aber nicht so gut ab. Außerdem ist es mit ein bischen Mist nicht getan, die Bodensdüngung muss passen, PH Wert, Kaliumgehalt usw. Bodenproben geben aufschluß.

Von den Gerätschaften bist du gut ausgerüstet, Reihenabstand normalerweise so 75 cm, bei deinen bereiten Reifen ist das zu wenig, wenn du nach dem Pflanzen noch Unkrautbehandlung, Krautfäule, Kartoffelkäfer bekämpfen und auch Anhäufeln willst mit Trecker.

Zum Anhäufeln gibt es genug Geräte im Netz, da lohnt kein Selbstbau, such mal nach Vielfachgerät, da sind Pflanzeinheiten, Anhäufeln und Pflegegräte im Bausatz.

Eine Frässohle wird es bei dir nicht geben, da du min 30cm tief pflügen musst um den lockeren Boden zu bekommen, Fräse ist eher so bis max. 20 cm

Wenn du dich dann entschieden hast, würde ich den Boden im Herbst in mehreren Abständen fräsen um den Grasbewuchs zu unterbrechen und die Graswurzeln klein zu bekommen, Di kannst auch vor dem ersten fräsen einen Chemieeinsatz wählenund die Grasnarbe kaputt spritzen. Sonst hast du später bei der Ernte noch die Graswurzeln im Korb.

Viel Spaß

Gruß

Norbet
 
Hallo, mein Opa sagte Mal, es dauert drei Jahre um aus einer Wiese wieder eine Acker zu machen.

Weiß nicht ob das mit modernen Gerätschaften auch noch gilt.

Gegen Drahtwürmer soll Senf als Gründüngung vorher helfen.

Mfg Micha
 
Moin,

Erstmal Vielen Dank für die Antworten! 
Ich bin gerade von der Arbeit gekommen und lese begeistert was ihr geschrieben habt :)

Es ist

@Volker 51 Ich habe diesbezüglich die zuständige Landwirtschaftskammer angeschrieben und darauf hin eine Mail bekommen in der Ausdrücklich steht das das in Ordnung ist wenn ich das Umbreche, da ich kein Landwirt bin und auch keine Prämie dafür bekomme.

Ich habe vor auf der Fläche durchgehend Kartoffeln anzubauen, also kann ich keine großartige Fruchtfolge einhalten.
Das steht auch schon fest, da ich keine Möglichkeiten habe auf 3 verschiedenen Flächen Jährlich Kartoffeln anzubauen.

Ebenfalls möchte ich keine Künstlichen Düngemittel verwenden, quasi so eine Art Bio Anbau.
Als Mist würde ich dann im 2. jahr vermutlich Pferdemist bekommen können ebenfalls soll nach den Kartoffeln stehts Gründünger eingesäht werden, welcher ist da zu empfehlen?

Mit der Bereifung bin ich auch nicht glücklich, da werde ich aber denke ich mal ausprobieren wie schlimm das wird, sonst müssen Pflegereifen für Hinten her.

Gruß

Hauke
 
Gilt das Umbruchverbot überhaupt für nicht-Landwirte?

Kartoffeln nach Wiesenumbruch geht eigentlich gar nicht.  Bei Schwarzbrache gehen dir nur Humus und Stickstoff verloren. 

Fräsen, Pflügen (oder nochmal Fräsen und grubbern) und dann einfach infach Hafer drauf (gibts günstig als Pferdefutter). Vogelfutter (Sonneblumen) kann man auch mit reinschmeissen. Sieht schön aus;) Buchweizen, wicken...Je mehr mischungspartner, desto besser. 

Dann im Sommer den ölrettich und Senf rein. Nichts gibt ein schöneres Saatbett im Frühjahr als Abgefrorener Ölrettich.Auch ohne Pflug. Die Kartoffeln kämen dann nächstes Jahr.

Wo du schon Mais und getreide hattest, da gehen Kartoffeln auch jetzt.

Frässohle entsteht bei nassem, schmierigem boden, dazu noch langsames fräsen. Du kannst  2 wochen nach der Fräse nochmal tiefer mit dem Federzinkengrubber durch.

Was fräsen betrifft gibt es viel zu lesen wenn du nach "Flächenrotte" googelst. Grundsätzlich flach, nicht zu fein, bei trockenheit. Das geht super zum Wiesenumbruch.

Wenn du mit 62,5 cm reihenweite zweireihig legst passen zwei Reihen zwischen die Reifen. Die nächsten 2 legst du mit dem Reifen im Anschluss neben die vorherigen Reihen. Jede 2te Reihe ist dann mehr platz für die Reifen. Sieht dann halt nach dem häufeln doof aus, ist aber egal.

Gruß

Max
 
Hallo,

Ich habe im Herbst 2018 auch einen Eck Wiese umgebrochen und im Frühjahr 2019 Kartoffeln gepflanzt. Habe hier auch ziemlichen Lehmboden.

Um den Drahtwürmern das Leben schwer zu machen, habe ich im März etwas Kalkstickstoff drauf geworfen, das soll die Drahtwürmer weiter nach unten treiben. Und was soll ich sagen, ich hatte überhaupt keine Probleme mit Drahtwürmern. Ist natürlich kein Bio, aber das kannst du im Jahr danach immer noch machen. 

Durch die vielen Klumpen von der Grasnarbe sah mein Kartoffelacker nicht unbedingt schön aus, aber meine Ernte war sehr gut, trotz dem extrem trockenen Sommer. Mein Acker war nach dem Grubbern auch nicht sonderlich fein, konnte dadurch aber auch nicht so verschlammen, was gerade bei Lehm schnell passiert wenn mal ein heftiges Gewitter drüber zieht...

Viele Grüße aus dem nordpfälzer Bergland,

Julian
 
Schön von unterschiedlichen leuten die herangehensweise zu lesen, ist ja doch immer interessant.

Letztenendes muss die Erde aufgelockert werden um die Kartoffel hineinzubekommen, der rest ist für die Pflanze ja quasi Luxus.

Ich werde es wohl so machen, das ich dieses Frühjahr die Weide einmal durchfräse um die Grassohle zu zerkleinern und im Anschluss das ganze einmal Umpflügen.

Danach sähe ich einen Gründünger, der das Jahr über stehen bleiben soll. Falls ich bis dahin schon einen Grubber gefunden habe wird vor dem Gründünger natürlich gegrubbert.

Im Herbst dann nocheinmal Pflügen um die Pflanzenreste einzuarbeiten und im winter so stehen lassen?

Das jahr darauf werden dann nach dem Grubbern die Kartoffeln gepflanzt. Ich denke mal düngen werde ich erst nach dem 1. Kartoffel durchlauf.

Mal schauen wie das klappt, ich werde auf jedenfall hier berichten ;).

Danke für eure mithilfe, ich denke das ist ersteinmal ein Plan mit dem man wohl ein paar Sack voll Knollen bekommen dürfte 

Gruß

Hauke
 
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