Restauration D439

IHCraftsman

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Hallo zusammen,

wie ich bereits bei meiner Vorstellung bekannt gegeben habe, möchte ich auf diesem Wege die Restaurationsarbeiten an meinem D439 gerne mit Euch teilen. Vorab ein kleiner Überblick zum Schlepper und seinem mir bekannten Lebenslauf:

Der D439 mit der FG-Nummer NT 406 144 erhielt seine Erstzulassung am 10. März 1964 und wurde an einen Bauern in Meilsen (LK Winsen Luhe) ausgeliefert. Dort verrichtete er seine Arbeit bis 1976 und wechselte seinen Besitzer sowie Standort nach Ahausen (LK Rotenburg Wümme). Seine vorübergehende Stillegung ist im Fahrzeugbrief am 27. Januar 1997 eigetragen, von da an ist nichts weiter bekannt. Im Sommer 2023 fand ich ihn dann in unserer Scheune, wo er von seinem "Zwischenwirt" abgestellt wurde. Durch Zufall habe ich erfahren, dass er verkauft werden soll und mich gleich drangehängt. Nach kurzer Verhandlung ist er somit für rund 2000 EUR in meine Hände gefallen. 

eup-1137940923-fda78837c21ba6fbcb0aef26e50424c4-1750411929_big.webpSo stand er da, macht soweit einen soliden und recht gepflegten Eindruck. Ich denke, der Kaufpreis war für seinen Zustand akzeptabel.

Eine erste Bestandaufnahme ergab folgende Erkenntnisse:

  • laut Tacho 8950 Betriebsstunden
  • Motor springt gut an, läuft rund und hat Leistung
  • Lack ist in Ordnung, wurde sprichwörtlich auch schon mal übergepinselt
  • Kotflügel kaum sichtbarer Rost, hier und da Bleche eingeschweißt
  • Reifen: hinten rissig - vorne einer neu, der andere noch brauchbar
  • ein Radbolzen am rechten Hinterrad abgeschert
  • Federn der Vorderachse ausgeleiert - wurde wohl viel mit Frontlader gearbeitet
  • Lenkgetriebe undicht
  • Regelstift Heckkraftheber undicht
  • Hubarme trocken
  • Bolzen zur Aufhängung der Unterlenker abgenutzt
  • Gewinde der verstellbaren Hubstrebe gangbar aber krumm
  • Zapfwellenstummel eiert
  • Schalthebel 360° drehbar - da sind die Führungsstifte abgenutzt
  • Schaltung ansonsten in Ordnung
  • Lamellenkupplung in Ordnung, rutscht nicht durch
  • Kupplung für Zapfwelle und Mähantrieb in Ordnung
  • Bremsen greifen gut und gleichmäßig
  • Handbremshebel schwergängig
  • Heckkraftheber und Hydraulik funktionieren - Frontlader nicht mehr vorhanden
  • Scheinwerfergehäuse löchrig - wurde mit Klebeband und Lackfarbe geflickt
  • elektrische Anlage - na ja...
Alles in allem ein ehrlicher Schlepper mit den üblichen alters- und gebrauchsbedingten Mängeln. Es ist davon auszugehen, dass die Kurbelwelle unrund gelaufen ist und entsprechend geschliffen werden muß. Im Zuge dessen sind die Gleitlager und die Dichtungen auch zu erneuern. Von den Laufbuchsen und Kolben ganz zu schweigen. Es wird auf jeden Fall so schnell nicht langweilig!Fortsetzung folgt...
 
Und los geht‘s...

Um zunächst etwas über den inneren Zustand des Motors herauszufinden, wollte ich die Kompression der einzelnen Zylinder feststellen. Also erstmal Kühlwasser- und Ölstand überprüft und den Motor auf Betriebstemperatur bringen. Nach einer ausgiebigen "Rudolf-Diesel-Gedenkminute" (Vorglühen) sprang der Motor willig an und nagelte im Stand so vor sich hin. Zuvor hatte ich noch ein Öldruckmanometer provisorisch installiert, welches mir brav 3 bar angezeigt hatte. Nach etwa 15 min mit erhöhter Drehzahl wurde meine Vermutung bestätigt, dass die Hauptlager eingelaufen sind, denn der Öldruck verringerte sich mit zunehmender Motortemperatur bis er schließlich bei 0 angekommen war. Beim Gasgeben zeigten sich blaue Rauchzeichen aus dem Auspuff, was auf verschlissene Ventilführungen schließen lässt.

Ein Griff an den Kühlerschlauch verriet mir, dass nach gut einer halben Stunde eine gewisse Betriebstemperatur erreicht wurde. Eines machte mich dann aber stutzig, ich konnte den Schlauch ohne Kraftanstrengung zusammendrücken! Oha, kein Druck im Kühlsystem, obwohl das Wasser bei der zuvor durchgeführten Überprüfung bis OKUL (Oberkannte Unterlippe) stand und die Dichtung im Deckel noch in Ordnung ist? Sofort Motor abgestellt und den Wasserstand als nicht mehr vorhanden vorgefunden! 

Unter dem Trecker war keine Inkontinenz feststellbar und weißer Qualm war auch nicht aus dem Auspuff gequollen, demnach musste sich das Wasser einen anderen Weg gesucht haben...Ölpeilstab gezogen und siehe da, der Pegel stand mit einer graue Pampe weit über dem Soll. Ich dachte, jetzt haste den Trecker geschrottet: wie lange lief der Motor ohne Kühlwasser? Zylinderkopf und/oder Motorblock gerissen? Das war‘s dann wohl..... aber so schnell gebe ich nicht auf...

eup-1138218150-8209dcbcdeec22102a0e0af6816a6fed-1754028120_big.webp...Eimer her, Ablaßschraube auf und raus mit der Soße...

eup-1138218150-cf52e079aecc102ceb008ad55a98199b-1754028202_big.webp...Ölwanne abgenommen. Da ich alleine war und keine Hilfe hatte, hab ich die Ölwanne mit Bändern "abgeseilt", das ging ganz gut. Die Schrauben des Vorderachsträgers habe ich etwas gelöst, so dass er leicht nach vorne kippte, die Lenkung voll eingeschlagen und die Wanne glitt problemlos an der Spurstange vorbei.

eup-1138218150-2297c33ebe4fc410c5043646d02bc5da-1754028743_big.webpDer Mock von 60 Jahren lag zentimeterhoch am Grund der Wanne, also raus damit. Danach Frontmaske, Kühler und Frontgewicht abgenommen. Um herauszufinden, wo die undichte Stelle im Motor ist, überlegte ich mir, die Hohlräume des Kühlsystems im Block mit Druckluft zu beaufschlagen.

eup-1138218150-83e86179c566dc45ac409a6569bed88c-1754029063_big.webpPassende Stopfen und ein Autoventil gesucht, Löcher abgedichtet und langsam Druck gegeben. Das Luftpolster hielt sich bei ca. 1 bar und baute sich durch ein hörbares Zischen langsam ab. Dem Geräusch folgend, fand ich schließlich unter dem Trecker liegend den Ort des Geschehens...

eup-1138218150-8a2ae5859e8ece55b6a86b7ba0f37cfc-1754030260_big.webp... die Laufbuchsendichtungen! Die Tropfen und Blasen sind auf dem Bild gut zu erkennen. Trotz dieses unglücklichen Vorfalls hatte die Sache auch was gutes: der Motor wurde schön sauber gespült! ;o)

Fazit des Tages:  

  • Öldruck fälllt mit zunehmender Betreibszeit ab -> Kurbelwelle und Lager unrund eingelaufen
  • blauer Rauch beim Gasgeben -> Ventilführungen verschlissen
  • Kühlsystem undicht -> Laufbuchsendichtungen hart/porös, evt. auch Kopfdichtung durch
Auf die Kompressionsmessung habe ich dann verzichtet und werde erstmal mit dem Zerlegen weiter machen, um eine Übersicht des Schadens zu erhalten. Hoffe, dass der Block und der Zylinderkopf durch diese Aktion nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen wurden. Fortsetzung folgt.....
 
Hallo, 

Erst Mal ein schönes Projekt was du da hast.

Wenn ich dir ein Tipp geben darf, dann schau dir die Sitze vom O-Ring genau an. Ich hatte das Problem das zwischen den einzelnen Stegen Löcher waren. Dabei handelt es sich um Einschlüsse vom Guss, die erst nach Jahrzehnten aufgehen können. Es können auch Risse zwischen den Stegen der Buchsen sein. Wir hatten das Problem zwischen dem 3. und 4. Zylinder. Wir haben das mit Metallkleber repariert und dann wieder sauber verschliffen. Der Traktor läuft heute noch und das ist jetzt über ein Jahr her. Das ganze war bei einem D436

Gruß 

Benjamin 
 
Hallo Benjamin,

Danke für Deinen heißen Tipp, solche darfst Du mir immer geben! 

Auf Einschlüsse im Guß muß man erstmal kommen, die Blöcke der D-Serie sind ja allgemein bekannt für Risse. Bin zur Zeit mit der Vorderachse beschäftigt, wenn es dann ans Buchsenziehen geht, werde ich die Sitze genauer unter die Lupe nehmen. Das Ergebnis gibt‘s dann hier im Restaurationsbericht.

Welchen Metallkleber hast Du damals verwendet? 

Besten Dank und schönen Gruß

Tobias
 
Weiter geht’s...

nachdem ich nun festgstellt hatte, wo sich das Kühlwasser seinen Weg in die Ölwanne gesucht hat, geht es nun weiter mit dem Zerlegen:

eup-1138253855-c5128330584f8569ed34fb41f89fd89d-1758461544_big.webp Unter dem Ventildeckel hat sich eine Menge Emulsion gesammelt, zum Ausbau der Kipphebelwelle habe ich diese mit einem Stück Draht gegen auseinanderfallen gesichert. 

eup-1138253855-b4fa77464c8cd6778069fe4cb94248dc-1758461680_big.webpDie erste Sichtkontrolle des Zylinderkopfes war durchweg positiv, keine Risse sichtbar. An den Ventilen muß wohl schon jemand dran gewesen sein, sie sind mit Körnerschlägen entsprechend ihrer Position markiert, da hat sich derjenige an die Vorgaben im WHB gehalten, sehr beruhigend... 

eup-1138253855-f46819dc9dde019ce9a236424b8cbcaa-1758462566_big.webp Nach dem Ausbau der Ventile und einer gründlichen Reinigung der Oberfläche habe ich lediglich diesen kleinen Riß am Auslaß einer Vorkammer entdeckt. Nach meiner Einschätzung sollte das aber kein Problem darstellen, oder was meint Ihr dazu?

eup-1138253855-64737ac83ce95d23d2c34a55dd27c5b4-1758462808_big.webp Die Kolben sehen auf den ersten Blick noch sehr gut aus - wurden mit Öl und Kühlwasser ja schießlich gut gewaschen. Anzeichen auf Kolbenkipper oder ähnliche seitliche Riefen gibt es keine. 

eup-1138253855-ae28b42a982f66991ebbd0d408b160b4-1758462950_big.webp Auch die Laufbuchsen sind glatt und riefenfrei. Da die Buchsen aufgrund der mangelhaften Dichtringe sowieso rausfliegen, gibt‘s auf jeden Fall einen neuen Satz Buchsen und Kolben, alles andere wäre vergebene Mühe und würde sich später rächen.

Fazit nach diesen Erkenntnissen:

  • Zylinderkopf hat zum Glück keinen Schaden genommen -> das ist schon mal erfreulich
  • Ventilführungen klar verschlissen
  • Ventile schließen nicht mehr sauber -> Sitze müssen neu gefräst werden
  • Kolben und Buchsen riefenfrei -> keine halben Sachen: kommen komplett neu
Den Kopf gebe ich zum Überarbeiten zum Instandsetzer, originale Ventilführungen konnte ich bereits günstig erwerben. Das Spiel der Kurbelwelle ist unzweifelhaft feststellbar, ohne zu messen schätze ich 1 mm! Hat sich von vornherein am sinkenden Öldruck bereits bemerkbar gemacht. Eine bereits aufgearbeitete und geschliffene Kurbelwelle eines D 439 mit Lagerschalen sowie Kolben und Buchsen habe ich von einer Projektaufgabe erhalten. Hoffentlich hält der Block keine bösen Überraschungen bereit.

Fortsetzung folgt...
 
Danke für die tolle Restauration Darlegung und auch danke an den Tippgeber mit dem  2k Metallkleber. Man lernt nie aus .
 
Moin Tobias,

ich würde die gerissene Vorkammer ersetzen. Die Risse enstehen in der Regel durch zu hohe Temperaturen in Folge von defekten Einspritzdüsen. Es kommt bei diesen Motoren häufiger vor, dass eine Vorkammer abreißt und in den Brennraum fällt. Im dem Fall hättest du hohe Folgekosten und müsstest noch mal alles zerlegen...

VG Jan
 
Hallo Jan,

jetzt hst Du mir richtig Angst gemacht, trotzdem danke für Deinen Rat! Die Vorkammern sind nicht gerade günstig. Aber ich gebe Dir Recht, wenn so‘n Vogel abreißt und bei laufender Maschine in den Brennraum fällt.....

Den Zylinderkopf werde ich sowieso zum Instandsetzer bringen, mal sehen, was seine Meinung dazu ist. Ich werde berichten.

VG Tobias
 
Es geht wieder weiter...

in den vergangenen Wochen hatte ich leider andere Verpflichtungen, da mußte die Arbeit am Projekt hinten angestellt werden - wer kennt es nicht...

Mit dem Ausbau des Motors ging‘s dann weiter. Ein paar Paletten, Kanthölzer und ein Hubwagen haben dabei gute Dienste geleistet.

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Abziehen der Riemenscheibe und den Kurbelgehäusedeckel abnehmen...

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... den Block dann umgeldreht und raus mit der Kurbelwelle! Man kann auf dem Bild sehr gut erkennen, an welchen Lagern die größte Kraft und damit der höhere Verschleiß aufgetreten sind.

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An einer Lagerschale beginnt sich schon das Material zunächst durch Rissbildung zu verformen, bis es sich in kleinen Stücken ablöst und zerrieben wird. Der Verschleiß war bereits an der Riemenscheibe durch leichtes hin und her bewegen mehr als deutlich zu spüren und zu hören.

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So nach und nach nehme ich mir die einzelnen Teile vor und arbeite sie wieder auf. Schmutz, Öl und Fett entfernen, entlacken und gegen Rost behandeln. So auch den Auspuffkrümmer, der war innen total "vermockt"!

eup-1138285200-add9913e134e2a3172e239298b8491ed-1766143364_big.webp Erstmal überlegen, wie man es machen kann, irgendwie müsste man die Kanäle ausschaben. Ein Sandstrahlgerät habe ich nicht, also bleibt nur die mechanische Reinigung.

eup-1138285200-4a1beddae7b43a62085de9425fe0fe54-1766143546_big.webpEin Griff in die Restekiste förderte eine Stange zutage, vorne einen Schlitz eingesägt und eine alte Druckfeder in passender Länge dazwischen geklemmt, fertig. Das ganze in eine Bohrmaschine gespannt und losgelegt. Hat wirlich gut funktioniert !

eup-1138285200-b2d4b48067d333714d5fcbc62c2e15ab-1766143743_big.webp Jede Menge Ruß und teerartiges Material rieselte aus den Öffnungen.

eup-1138285200-7551228c363666da9d9c4478af32de60-1766143806_big.webp Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Jetzt den alten Lack und Rost entfernen. Mit Drahrbürste und Schleifpapier ist dem aufgrund der rauhen Oberfläche des Krümmers nicht beizukommen. 

Was ich mir dazu überlegt habe, berichte ich beim nächsten Mal! Seid gespannt...
 
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