Aufarbeitung meines 644

d320 farmall

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Hallo Zusammen,

da die momentane Lage es ja verlangt das man äußerst viel zuhause sein sollte hab ich mir gedacht ich führe in Nachhinein noch einen Restaurationsbeitrag über die Überholung meines 644 um mir  und den Mitlesern die Zeit zu vertreiben. 

Zu der Geschichte des Schleppers,

Erstzulassung März 1978, Stundenzähler stand bei 1200 Stunden, optischer Zustand war nicht sehr besonders, technisch war er anfangs gesehen noch im Rahmen was sich aber bei der Überholung nicht bewahrheitet hat.



Nach den ersten zwei Wochen fahren hat sich die Bremse bemerkbar gemacht, entweder war sie offen oder direkt zu, dazwischen gabs nix.

Also erstmal mit dem Schlepper ab zur Baywa in die Waschhalle, nach zwei Stunden abwechselnd abdampfen und einweichen war der meiste Dreck weg und siehe da, unter dem Dreck kam noch rote Farbe raus :-)

Also kam er in die Werkstatt damit ich mir das Problem ansehen kann.







Bei der Gelegenheit wenn alles frei liegt hab ich direkt nach der undichten Hydraulik geschaut und alles frisch abgedichtet



Dort angekommen und aufgebockt hat sich dann schnell gezeigt das die Vorderachse auch einen Defekt hat, das Drucklager links war auch hinüber



Die Achse kam raus, der Sitz wurde aufgeschweißt und wieder ausgespindelt.

Zum Problem mit der Bremse, auf einer Bremsscheibe waren die Nieten lose und der Belag konnte auf der Scheibe wandern.

Als ich die Kotflügel vorne wie hinten abgenommen hab fiel mir schnell auf das dort auch Handlungsbedarf besteht, hinten waren sie gut verrostet und vorne waren auch mehr Schweißnähte als Blech vorhanden.





Vorne wurden neue Bleche gerundet und aus Flacheisen neue Halter gebogen





Die Vorderachse hab ich nach dem Schweißen komplett neu ausgebuchst, den Achsträger wieder eingebaut.

Da aus der Kupplungsglocke öl kam das auch den Anlasser von innen schön zugesifft hat gings ans Trennen





Nachdem der kleine getrennt war hab ich direkt ne neue Kupplung bestellt, die alte Scheibe lief schon auf den Nieten.

Diese eingebaut und alles wieder zusammengeschoben.



Nun hab ich die Winkel für die Anhängekupplung abgebaut, auch hier war ordentlicher Verschleiß sichtbar



Die zwei neuen hab ich aus Feinkornstahl gebogen, St 52 war mir zu heikel.



Der Hebel von der Zapfwellenkupplung war auch nur behelfsweise mit nem angeschraubten Blech zum Arretieren geflickt worden, hier hab ich nen neuen Halter aus Stahl gefräst.



Auch die Unterlenker waren an beiden Seiten ausgeschlagen, also auch hier beidseitig neue Enden drangeschweißt



Im gleichen Zug hab ich die Unterlenkerwelle dann auch frisch abgedichtet.

Nach den ersten vier Wochen in der Werkstatt wurde mir dann klar das an dem Schlepper mehr zu machen ist als zuerst angenommen, aber da musste ich jetzt durch.

Sowie ich Zeit hab werde ich den Beitrag fortführen. Ich hoffe ich kann den einen oder anderen zum Mitlesen begeistern.

Gruß,

Benjamin
 
Von mir auch ein Lob für den Bericht!

Ist richtig spannend was wohl noch als nächstes defekt ist ;)

Besonders begeistert bin ich von deinem Schweißtisch, das ist natürlich eine feine Sache, wenn ich überlege wie bei uns auf dem Boden oder auf Böcken mit Dachlatten unterbaut und grob die Richtung gepeilt wird.
 
sehr schöner Bericht, komme da bestimmt mal auf Dich zu wenn bei meinem mal ähnliche Macken anstehen.

Bist Du aus der Ulmer Gegend?

Gruß

Sturmi
 
Hallo,

der Bericht wird vermutlich nicht so schnell an Spannung verlieren, soviel kann ich schonmal versprechen :-)

Ich muss gestehen das ich den Schweißtisch vor ca einem Jahr hergegeben hab, er war einfach zu groß für meine Verhältnisse. Hab jetzt nur noch eine Nutenplatte in Palettengröße, größere Sachen mach ich im Geschäft nach Feierabend.

@Sturmi: ja, ich wohne in einem Teilort von Erbach, das ist etwa 20 Minuten von Ulm entfernt. 

Gruß,

Benjamin
 
Hallo,

es geht weiter am Schlepper, nach den ganzen Reparaturen wurde er soweit wie nötig wieder zusammengesetzt um eine Probefahrt zu machen:





Die Zusatzsteuergeräte wurden verschlaucht



Nun gings an die Blecharbeiten









Der Schlepper hatte ja ein M701 Verdeck drauf, aber mit diesem hatte ich das Problem das mir die Einfahrtshöhe nicht gereicht hat und eine feste Kabine wo rundum geschloßen ist war schon immer ein Wunschtraum von mir da der Schlepper auch viel im Winter läuft. Nun konnte ich bei einem Bekannten von mir die Perfect Kabine abmessen und hab angefangen diese in Niedrigbauweise herzustellen.





Die Rückwand war ein wenig probiererei bis alles mit den Hubarmen gepasst hat



Die Türen hab ich anders herum gemacht so das sie an der B-Säule befestigt sind, find ich einfach angenehmer vom Auf- und Absteigen



Nun noch die Blech-Seitenteile angepasst



Im nächsten Schritt hab ich mit den Frontladerkonsolen angefangen, die Kat2 Runndschwinge hab ich günstig herbekommen und dann sah ich im Forum einen Bericht über eine mechanische Parallelführung. Der Gedanke daran hat mir sehr gefallen da mein andere Lader das nicht hatte und bei Arbeiten mit der Palettengabel war es immer sehr mühsam mit den Ladarbeiten.





Das erste mal angebaut um die weiteren Verstrebungen anzuschweißen





Und dann ging ein langer Ausdauerlauf mit Probieren und Anpassen los, das Werkzeug ging einfach nicht sauber Parallel hoch.

Irgendwann war ich soweit das ich schon aufgeben wollte, aber dann hat mir mein Vater wieder Mut gemacht. Ich hab den Schlepper irgendwann in die Werkstatt gestellt und das Projekt ne Weile ruhen lassen, meistens wirds nicht besser wenn man etwas verbissen erreichen will.





Aber da mein alter Meister immer gesagt hat das Stillstand nicht gut fürs Geschäft ist hab ich solang schon einmal mit der Werkzeugverriegelung und dem 3. Steuerkreis weitergemacht.



Das Inneblech für die Kabinenelektrik hab ich dazwischen auch eingesetzt 





Nun gings wieder mit Tatendrang an die Parallelführung, auf einen Schlag kam mir die Lösung wie ich es ganz einfach messen kann wieviel Weg mir beim Gestänge fehlt.

Gesagt und Getan, die neuen Teile aus nem Flachstahl gefräst, angebaut und probiert. Das Ergebnis war zufriedenstellend, bis zu den letzten 40cm des Hubwegs läuft es einwandfrei und dann zieht das Werkzeug minimal ein. So kann ich damit leben und konnte das Projekt Frontlader vollends abschließen.





Das wars für diese Woche von den Fortschritten am Roten.

Gruß,

Benjamin
 
Wahnsinns Arbeit,echt klasse was du da zauberst.Bist du von Beruf Schlosser oder so was in die Richtung Metall?
 
Hallo Benjamin

Finde deine Blecharbeiten echt gelungen, nicht viele haben die möglichkeiten so etwas selbst zu fertigen.

Und die Arbeit die da drin steckt ist auch beachtlich.

Bitte weiter berichten.

Gruß

Daniel
 
Hallo,

danke euch zwei für die Lorbeeren. Ja, ich bin Schloßer von Beruf und durch meinen Job bin ich geübt mit solchen Bauwerken. Ich hab mir damals erst überlegt ob ich eine Polenkabine draufsetzen soll, aber mir gefielen die Kotflügel von den Universalkabinen nicht.

Nun zu den nächsten Fortschritten:

Als erstes hab ich die Türen fertig gemacht



Die Rückwand mit dem Blech für die Hydraulikanschlüße noch verbunden



Danach hab ich den Schlepper rausgeholt um ihn mal auf Dichtheit zu überprüfen, dazu wurde er vors Kreiselmähwerk gespannt das er mal richtig warm wurde





Er sah zu dem Zeitpunkt ziemlich nach einem Zirkuswagen aus, aber es war die richtige Entscheidung ihn zu testen, beim Mähen hat er Probleme gemacht, die Einspritzpumpe musste zum Überholen.

Als Sie wieder eingebaut war und alles lief gings an die letzten Züge vor dem Lackieren. Beim Frontladerfahren hab ich schnell gemerkt das es ohne Hydrolenkung nicht viel Spaß macht zu lenken.

Allerdings hab ich von meinem 353 noch einen Zylinder für die Hilfslenkung herumliegen, also hab ich angefangen den Zylinderund die Tandempumpe einzubauen.







Der linke Achstrichter musste auch nochmal ab, in der Felge lief das Öl umher



Nun gings dem undichten Tank an den Kragen, immer wenn der Schlepper über halb voll getankt wurde tropfte der Diesel am Tank herunter, aber die genaue Stelle konnte ich nicht finden









Und die Haken am Frontlader hab ich auch noch getauscht, die waren enorm ausgeschlagen, die hab ich gegen feste Endstücke getauscht und das Innenrohr noch angepasst da die hydraulische Gerätebetätigung sonst angestoßen hätte







Zu guter Letzt hab ich mich noch an die Schaftdichtungen gemacht



Das wars für heute.

Ich wünsch euch allen ein schönes Osterwochenende.

Gruß,

Benjamin
 
Moin. 
Soetwas verstehe ich unter einer Restauration. 
weiterhin viel Erfolg und danke für den tollen Bericht. 

Mit freundlichen Grüßen: Max
 
Das mit dem Tank hab ich genauso und geht mir richtig auf den Zeiger, und du baust einfach einen neuen echt Hammer.
 
Top! Dir würde ich auch einen Umbau zum Allradschlepper zutrauen!? Denn ein Trecker ohne Allrad ist ja bekanntlich wie ein Mann ohne Bauch...

Gruß ;-))

__________________________
Gaggenau / Neuss / Forstern
 
Hallo,

@Lanz4016: das mit dem Allrad war mal eine Überlegung, ich hätte damals von einem Kollegen von mir einen 844 schlachten können, aber dieser hatte an der Achse einen Schaden, vermutlich das Differential. Daher war mir der Umabu zu heikel da die Teile dann auch ganz schön ins Geld gehen. Und wenn man in Kleinanzeigen und co sucht kosten die Achsen und der Abtrieb oft mehr als ich für den ganzen Schlepper bezahlt hab. Vielleicht läuft mir irgendwann ja doch noch eine passende Achse über den Weg :-), bis dahin wird halt mit dem Heckgewicht gefahren. 

qHanomax: Im ganzen Schlepper steckt schon viel Arbeit, aber es hat sich auf alle Fälle gelohnt, so ists jetzt wieder eine verlässliche Maschine.

@Nick Elbers: Ich hab zuerst nach einem gebrauchten Tank gesucht, aber da weiß man halt auch nicht wie lange die noch dicht sind. Bei dem neuen Tank wäre ich ohne unseren technischen Zeichner im Geschäft aufgeschmißen gewesen, der hat sich damals in Ruhe an das ausmeßen und zeichnen gemacht, hierfür gelten mir nicht die ganzen Lorbeeren.

Ich denk das ich heut Abend wieder die nächsten Fortschritte einstelle.

Bis dahin einen schönen Sonntag euch.

Gruß,

Benjamin
 
Hallo,

es geht weiter, nach den Reparaturen ging es an die Lackiervorbereitung





Nach etlichen Schleiftagen war es dann soweit, der Rumpf und etliche Blechteile wurden wieder Rot









Der neue Sitz kam zwischenzeitlich auch an



Als die Farbe trocken war hab ich ihn gleich soweit zusammengesetzt damit wir den Heimweg antreten konnten





Das Heck hat auch wieder zusammengefunden



Dann durfte er mal kurzzeitg raus u den Frontlader anzubauen





Als nächstes gings an die Kabinenteile, alles fertig versschweißen, verschleifen und ab in die Lackierbox





Den Felgen gings dann auch an den Kragen, ein Hinterreifen hat immer Luft gelassen, also Decken runter und siehe da, an den Nieten waren überall Risse





Also alles ausgeschliffen und nachgeschweißt, dann dürfte Ruhe sein

Während die Felgen trocknen mussten hab ich die komplette Elektrik reingemacht, und die zusätzlichen Verbraucher im Dach wurden auch verkabelt.









Das Sitzgestell war gebraucht und hat auch nicht mehr gefedert, aber beim auseinandermachen wars schnell klar wo das Problem liegt







Beim Gestänge für den 3. Steuerkreis musste ich noch etwas Basteln da ich keinen zweiten Kreuzhebel mit Bowdenzug einbauen wollte





Und nun endlich mal ein Bild vom gesamten Schlepper





Der größte Teil war jetzt mal geschafft, die meisten Teile sind wieder am Platz, als nächstes gehts an die ganzen Details und Feinheiten, auch die fressen noch jede Menge Zeit

Gruß,

Benjamin
 
Hallo,

hier noch ein paar Fortschritte vom Roten

nachdem er ein paar Einsätze hinter sich gebracht hat fing der Motor an Probleme zu machen. Im Kühler haben ca 1,5 Liter Wasser gefehlt und aus der Kurbelwellenentlüftung kam Wasser heraus.

Mein erster Verdacht war das die Kopfdichtung hinüber ist, aber das hat sich nicht bewahrheitet, im Ventildeckel war ein Froststopfen durchgerostet.





Also bei der Gelegenheit wurden gleich alle 4 getauscht, beim Rausschlagen hat sich auch gezeigt das es richtig war, zwei andere Stopfen waren auch schon ziemlich angefreßen.



Als nächstes kam noch ein Schutz für die Lenkstange ran, die hat immer an der Frontladerkonsole gerieben



Die erste Fahrten waren noch ohne Scheiben, aber bei den Temparaturen im Januar/Februar wars dann doch Saukalt im Traktor.

Die Seitenscheiben hab ich aus schlag-und kratzfesten Polycarbonat Scheiben gesägt





Die Frontscheibe ist ne Vsg-Glasscheibe mit 8mm Stärke





Nun sind wir mit dem Bericht an dem aktuellen Stand des Schleppers angekommen, ab jetzt gehen die Fortschrittsberichte etwas zäher voran als bisher.

Was jetzt noch auf dem Programm steht sind die Frontschürze gegen die Zugluft, die Innenverkleidung der Kabine und was mir auch noch ein großes Anliegen ist wird die Dämmung zum Getriebe sein, in dem Schlepper wird es unerträglich laut beim Fahren. Ich weiß das die 44er Serie für das laute Getriebe bekannt ist, aber ich leb dennoch in der Hoffung das ich es etwas in den Griff kriege. Durch die geschloßene Kabine kann der Schall halt einfach nicht mehr raus.

Meine Vorstellung wäre eine Akustikschaumstoffmatte ins Dach und von unten einen Tunnel übers Getriebe sowie den Hydraulikblock den ich dann mit 8-10mm starken Dämmatten beklebe und darauf 3-5mm Gummimatten. 

Was meint ihr dazu? Hat jemand von euch postive Erfahrungen mit bestimmten Dämmmatten?

Danke und Gruß,

Benjamin
 
Hallo Zusammen,

es geht wieder weiter am Roten. Nachdem ich beim Fahren bemerkt hab das er im warmen Zustand immer weiß aus der Entlüftung raucht hab ich mich dazu entschloßen den Motor komplett zu zerlegen. Weitere Probleme war zum einen ein Venti wo klappert und wenn der Motor von Vollgas auf Standgas runtergeht lief er immer sehr unrund aus. Da hatte ich die Befürchtung das mit dem Balancer etwas nicht stimmt.

Also ging es heute morgen los, Frontladerkonsole weg, Kühler und Haube ab, Zylinderkopf runter, Ölwanne weg. 





Als nächstes kamen die Kolben raus, hier war ich erstmal erleichter das alle Ringe noch ganz sind.

Nach den Kolben kamen die Buchsen und der Balancer raus







In den Laufbuchsen war ein deutlicher Absatz zu fühlen, also Kolben und Buchsen kommen neu.

Die Pleuellagerschalen sehen furchterregend aus, hier hats ordentlich gefressen.



Die Kurbelwelle muss raus und geschliffen werden, hier ist alles zu spät.

Und nun noch eine Frage an die Motorspezialisten. 

Den Balancer hab ich auf einer Seite fixiert und am anderen Zahnrad das Flankenspiel gemessen. Ergebnis 0,12mm. Das Axialspiel beträgt 0,2mm und das Radialspiel 0,03mm.

Also meines Erachtens ist dieser in Ordnung oder was meint ihr?

Nächste Woche flansch ich den Motor ab und häng ihn in nen Motorständer da ists leichter zum Arbeiten.

Gruß,

Benjamin
 
Moin.

Auf deinen Motorständer bin ich gespannt, du scheinst ja Zugriff auf einen guten Metallbaubetrieb zu haben.

Bei der Kurbelwelle musst du aufpassen das du die passenden Lager dazu bekommst aber so wie ich das sehe kannst du mit einem Mikrometer umgehen.

Zum Balancer kann ich nichts sagen und ich bin mal gespannt ob das überhaupt jemand kann. Ich denke das das noch niemand bei einem Neuteil geprüft hat.

Viel Erfolg bei deinem Projekt!

Gruß Jürgen
 
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