Nun kommt die Stunde der Wahrheit!
Ich habe von vorn herein ein Prüfmanometer angeklemmt um die Drosseldüse wieder einzustellen, bevor ich überhaut eine Probefahrt mache. Motor gestartet und los....was nun, kein Druck abzulesen! Ich habe etwas mehr Gas gegeben und den Agriomatikhebel mehrfach geschaltet, sowie dann auch den Gruppenhebel...nix! Ich habe keinen Öldruck! Für mich erstmal unverständlich, da das ja vor der Demontage alles funktioniert hat, ich habe die alte Pumpe und auch das alte Steuergerät wieder verbaut, also sollte es gehen. Das Ansaugsieb ist auch sauber, Öl ist genug drin.......meine Schlussfolgerung war....entweder ist was auf der Ansaugleitung undicht und die Pumpe zieht luft, oder ich Depp habe eine Druckleitung nicht richtig fest angezogen, so das der Druck schon vorher verloren geht. Mit dieser Erkenntnis habe ich die Schalthebel demontiert und bin bei laufenden Motor mit einer schwenkbaren Endoskopkamera im Getriebegehäuse alle Leitungen abgefahren um eventuell eine Undichtigkeit zu finden, leider vergebens da durch die rotierenden Zahnräder eh überall Öl spritzte. Völlig verzweifelt habe ich schon Kopfkino gehabt, wie ich wieder alles auseinander baue......Dies war ein Moment, wo auch ich das fluchen angefangen habe! In solchen Momenten ist es aber immer am besten sich zu besinnen, zur not aufzuhöhren und eine Nacht darüber zu schlafen. Doch dann kam mir noch eine Idee!! Um auszuschließen, ob die Pumpe Luft zieht, oder eine Druckleitung undicht ist, könnte ich ja direkt an der Pumpe gucken ob da Öl ankommt, bzw. ob sie Druck erzeugt, denn ich konnte mich an ein Überdruckventil erinnen.
Wenn das Überdruckventil der Agriomatikpumpe öfnnet, geht das Öl über eine Leitung vorne stirnseitig in die Welle wo die Lammelen drauf sind. Ich konnte mich gut daran erinner, weil es sehr fummelig war die dort einzuführen. Diese Öl wird im WHB als Kühlöl bezeichnet, und spült ohne weitere Funktion die Lamellen, wenn diese nicht zusammen gepresst sind. Die Pumpe ist ja an der linken Getriebegehäuseseite mit zwei Schrauben angeflanscht, eine dritte Schraube in der Mitte ist die, wo das Überdruckventil sitzt, alles von außen zugänglich. Würde ich diese Schraube raus drehen und es spritzt Öl raus, fördert die Pumpe, wenn nicht, saugt sie kein Öl an.
Nun ist das ganze bei meinen Schlepper schon wieder anders als im WHB beschrieben! Statt der Blindschraube vor dem Überdruckventil, hat meiner so wie alle CM-Schlepper der etwas neueren Baujahre dort eine Leitung! Diese Leitung geht außen am Getriebe entlang zu dem s.g. Nebenstromfilter. Ich habe dazu zu beginn mal eine Frage im Technikforum gestellt, aber es gab eine einschlägigen Antworten. Hier ist sie:
Da man mit der Zeit festgestellt hatte, das der schwachpunkt der Agriomatic S ein mangelnder Öldruck sein kann, und dadurch die Lamellen durch mangelden Anpressdruck schleifen und kaputt gehen, war die Sauberkeit, sowie das richitige Getriebeöl von höchster Wichtigkeit! Bislang verfügte die Getriebehydraulik einzig und allein über das Ansaugsieb als Filter, welches unglücklicherweise auch noch ganz unten am Getriebeboden sitzt, und somit alles ansaugt was da an Dreck und eventuelle Metallspänen rum schwimmt. Regelmäßige Ölwechsel und reinigen dieses Siebes sind von höchster Wichtigkeit. Die Lebensdauer der kompletten Agriomatik steht und fällt mit diesen Wartungsintervallen. Um das Getrieböl zusätzlich sauber zu halten und die Störanfälligkeit zu reduzieren hat man schließlich diesen Nebenstromfilter eingeführt. Ein Teil des Überdrucköl / Kühlöl welchen die Pumpe im überschuss fördert geht jetzt nicht nur zu den Lamellen, sondern durch den Nebenstromfilter (Wechselpatrone) und von dort innerhalb des Getriebegehäuses mit einer kleinen Stahlleitung bis hinten zum Hinterachsdifferenzial. Dort am Ende ist die Leitung so geformt, dass das Öl in eimem Flachstrahl über Tellerad sowie über das Differenzial gesprüht wird, also eine zusätzliche Ölverteilung an einem wichtigen Getriebteil als Nebeneffekt.
Kurz um....bei Schleppern die schon einen Nebenstromfilter besitzen, ist statt der Blindschraube halt eine Hohlschraube mit der Leitung zum Ölfilter....diese habe ich nun abgeschraubt und dann ist es mir wie schuppen von den Augen gefallen. Hinter dieser Schraube, müsste nun eine Feder sitzen, eventuell ein oder mehrere Scheiben für die Druckanpassung der Feder (Vorspannung), und dann hinten drin der Ventilhut den die Feder gegen die Überdrucköffnung in der Pumpe drückt.
Ja...was soll ich sagen...keine Feder...ich habe sie vergessen, lag noch neben der anderen Pumpe aus dem Schlachtgetriebe weil ich diese vergleichen wollte!
Junge Junge....da baut man zwei komplette Getriebe auseinader, kennt das WHB inzwischen fast auswendig, baut ein Getriebe wieder zusammen und vergisst so eine kleine Feder.....mit der Auswirkung, das der ganze Schepper keinen Millimeter fährt. Unglaublich oder?
Feder rein...Schraube angezogen...Schlepper gestartet und im Standgas schon 9 bar, bei Nenndrehzahl 15 bar....nimmt laut WHB aber ab, wenn das Öl wärmer ist. Eventuell muss ich das mit den bereits erwähnten Scheiben vor der Feder noch nach stellen.
Natürlich habe ich sofort eine Probefahrt im Rahmen der Möglichkeiten gemacht....die Agriomatik schaltet erstklassig und das Gertriebe ist nun leichtgängig...man kann der Schlepper sogar alleine schieben. Auch das extreme Jaulen und summen, sobalt man einen Gang eingelegt hat ist weg. Ich bin sehr erleichtert und zufrieden....natürlich zeigt sich erst ob ich alles richtig genacht habe, wenn der Schlepper richtig eingesetzt wird. Leider ist noch einiges zu tun, aber das Getriebe war sicherlich die größte Baustelle.......
..und es geht bald weiter, ich versuche jetzt am Ball zubleiben. Es muss noch einigens am Moter abgedichtet werden und was eventuell noch Kummer bereiten kann ist die Allradachse, welche ich auch als nächstes in Angriff nehme..
Schönes Wochenende und viele Grüße aus Niedersachsen!
Mark